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ZAUMKÖNIG

Land ohne Zäune, Mann ohne Ziel. So stellt sich unser Autor die Freiheit vor. In Siebenbürgen schwingt er sich in den Sattel und reitet einfach los...

Rumänienreise von Pferd aus

Text: Philipp Mausshardt  |  Fotos: Armin Smailovic

Das Glück überkam mich am vierten Tag. Navaro war erst in leichten Trab gefallen, dann in einen Galopp übergegangen. Ich klemmte mich mit den Unterschenkeln an seinen Bauch, hielt die Zügel fest und spürte die Schmerzen meiner blutig geriebenen Waden nicht mehr. »Yeah!«, schrie ich vor Vergnügen, als unsere drei Pferde die leicht ansteigende Wiese zum Waldrand hinaufgaloppierten. Ein Pferd ohne Sattel, ein Land ohne Zäune, ein Mann ohne Ziel. So stelle ich mir bis heute die Freiheit vor.

Bis zu dieser Erfahrung hat es länger als ein halbes Menschenleben gebraucht. Ich war in den 70er-Jahren mit »Bonanza« aufgewachsen. Die Sonntagnachmittage waren bei uns zu Hause heilig. Wenn Little Joe, Hoss, Adam und Vater Ben Cartwright in unserer schwäbischen Neubausiedlung ihre Abenteuer erlebten, saß ich gebannt vor dem ersten Farbfernseher meiner Eltern. Die Titelmelodie ist unauslöschlich in mein Hirn eingebrannt. Wann immer ich ein Pferd sehe, spielt sie in meinem Kopf: dam-dada-dam, damdam-dada-dam, dam-dam-daah.

Dann kam die Zeit der Mopeds, später der Motorräder und Autos. »Bonanza« schien vergessen. Vor ein paar Jahren fragte ich mich plötzlich, ob es normal sei, mit 150 PS über die Autobahn zu brettern. Aber noch nie im Leben mit einem PS unter dem Hintern über eine Wiese geritten zu sein. Nein, das ist nicht normal. Das Land ohne Zäune war schnell gefunden. Von früheren Reisen kannte ich Siebenbürgen, ein weitläufiges Hügelland im rumänischen Karpatenbogen, in dem deutsche Siedler in den letzten 800 Jahren gelebt hatten. In den Tälern liegen ihre alten Dörfer, oft von gewaltigen Kirchenburgen dominiert. Felder, Weiden, Wälder dazwischen und kaum geteerte Straßen, auf denen nur selten Autos fahren. Pferdefuhrwerke sind hier auch heute noch ein gängiges Verkehrsmittel.

Dort wollte ich es probieren. Einfach aufsitzen und losreiten. Ohne die lange Prozedur eines Reitkurses, bei dem man jahrelang auf einer Koppel am Seil im Kreis herumgeführt wird.

Der rumänische Besitzer des Reiterhofs in Kleinkopisch war erst ein wenig skeptisch. Doch dann willigte er ein, unter der Bedingung, dem Fotografen und mir einen Guide mitzugeben: Christian ist ein Pferdeprofi, der schon in vielen Reitställen Europas gearbeitet hat. Er empfing uns in voller Montur, Reiterhose in Leder, Cowboyhut und Stiefeletten. Christian hatte drei Lipizzaner ausgesucht, nicht zu groß für Anfänger, wie wir es waren, und für die Strapazen in der Julisonne gut geeignet. Mein Pferd hieß Navaro, ein sechsjähriger Hengst, weiß mit dunklen Sprengseln im Fell. Wir sattelten auf, warfen unsere Packtaschen über die Gäule, stellten die Länge der Steigbügel ein und ritten los, den Berg hinauf. [...]

Die komplette Geschichte findest du in der Ausgabe 03/15 

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