Versandkostenfrei bestellen
Ausgabe für 5,80 € bestellen » FMW Jahresabo für 24,80 € bestellen »

WINDMUSIK & SCHNEESCHWEIGEN

Warum es durchaus nicht schaden kann, gelegentlich mal wieder der Natur zu lauschen

Lausche den Klängen der Natur

Text: Marc Bielefeld | Illustration: Rich Gemmell

Champagnersegeln. Ich hörte die Segler dieses Wort oft sagen, als ich in den Sommern über die Stege lief. Aber ich hatte keine Ahnung, was sie damit meinten. Ein gepflegtes Besäufnis zur See? Einen Segel Törn, auf dem sie edle Tropfen schmuggelten?
Ich musste erst selbst zum Segler werden, bis ich verstand. Musste hinaus aufs Wasser. Lernen, durch den Wind hindurchzuhören. Den Wellen, dem Meer zu lauschen. Doch eines Tages begriff ich. Ich hörte auf einmal, was die Segler mit »Champagnersegeln« meinten – denn sie sprachen von einem Geräusch. Es ist nicht leicht, es zu vernehmen. Das Geräusch entsteht, wenn der Wind nicht zu stark und nicht zu schwach weht, das Boot nicht zu schnell und nicht zu langsam segelt. Man muss, um das Geräusch zu hören, schweigen. Sich leicht über Bord lehnen und die Ohren spitzen. Dann hört man es.

Es ist das feine Brausen der Bugwelle, die am Boot entlangfließt, wenn die Yacht durchs Meer zieht. Ein Schaumteppich, der sich am Rumpf bildet, aufgemischt von Millionen kleiner Luftbläschen. Sie erzeugen ein leises Knistern, wenn sie zerplatzen. Das Meer beginnt dort unten dann regelrecht zu perlen: wie Champagner in einem Glas. Ein wunderbarer Sound. Meeresmusik.
Ich habe seitdem viele Monate auf dem Boot verbracht. Und nach einer gewissen Zeit da draußen auf dem Wasser hörte ich immer mehr Töne und Klänge, die ich so noch nie vernommen hatte. Ich hörte den Wind, den Sturm, den Hagel. Ich hörte den Nebel – sein graues Schweigen. Das Meer vernahm ich in allen Nuancen. Seine Oktaven und Tonarten, sein Geflüster und Gebrüll. Das Wasser konnte plätschern, gurgeln, prasseln, klatschen, zischen. Ein gewaltiger Konzertmeister. Streng und bedrohlich schrie die See, dann wieder konnte sie singen und glucksen. Die kleinen Wellen an einem Strand an einem Sommertag.

Ich bin kein Feind von Menschengeräuschen. Das Blubbern eines Achtzylinders, herrlich. Das Rasen einer Kettensäge, fulminant. Selbst das Lärmen einer Großstadt kann einem Konzert gleichkommen. Und die Gitarren von Hendrix und Hooker, voll aufgedreht – immer her damit! Und doch glaube ich, dass es guttut, auch der Natur einmal richtig und bewusst zuzuhören. Dem Wasser, dem Wind, dem Feuer. Den Bäumen. Den Krebsen. Die Natur kennt mehr Geräusche als wir alle zusammen. Sie ist lauter als der Mensch. Und leiser. [...]

 

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 1/15

Erlebe FREE MEN'S WORLD viermal im Jahr für 23,20 €

Mehr Abenteuer gewünscht? Hier sind weitere Artikel

Weitere Ausgaben nach deinem Geschmack