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WE WILL ROCK YOU

Zwei junge Amerikaner begeben sich auf Gratwanderung: Ausgerechnet im Kreuzfeuer des Nahostkonflikts erschließen sie Felswände und geben Kletterkurse. Ein Balanceakt, nicht nur in der Vertikalen

Freeclimbing im Westjordanland

TEXT: AGNES FAZEKAS  FOTOS: JONAS OPPERSKALSKI


Zuerst hat sich der sehnige Anas angesteckt, eine Woche später war sein älterer Bruder infiziert – und schließlich erwischte es den jüngsten. Jeden Freitag packen die Brüder die Wasserpfeife in den Kofferraum ihres kleinen Autos, den süßen Traubensaft und den roten Faschingscowboyhut – und stopfen so viele Kumpels wie möglich dazu. Zurück lassen sie eine besorgte Mutter, das palästinensische Dorf Hizma und den acht Meter hohen Betonwall davor, Wachtürme und Scharfschützen. Ihr Ziel: eine Wand, die sich bezwingen lässt.


Ein Virus grassiert seit einigen Monaten im Westjordanland. Die Keimzelle befindet sich ineiner ruhigen Seitenstraße im Zentrum von Ramallah. »Wadi Climbig« steht unten an der Pforte. Tim hängt zum Aufwachen mit den Fingern im Griffbrett über dem Türrahmen. Will genügt eine riesige Schüssel Müsli mit Grapefruitsaft. Am Kühlschrank ein Trainingsplan: Yoga, Fitcross, Laufen – und ein Magnetspruch: Nicht zu viel Brot essen! Die Wände sind zugepflastert mit den Helden der Szene und Zeitungsartikeln von der letzten Wahnsinnstat im Yosemite, Wiege des Freikletterns. »Mohammed kommt nicht«, sagt Will. »Hängt am Checkpoint fest.« Tim setzt sich an den Laptop und geht die Anmeldeliste durch.


»Acht sind’s jetzt noch. Mit der Hizma-Gang.« Vor über einem Jahr sind Will Harris, 24, und Tim Bruns, 23, vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten in ein Land gezogen, das viele ein Gefängnis nennen. Ihre Mission: eine kleine Kulturrevolution. Ein Lebensgefühl hinter den israelischen Sperrwall pflanzen, das sie direkt aus Colorado vom Fuß der Rocky Mountains importiert haben. Das Wohnzimmer ist ihr Basislager: Penibel auf zwei Regale verteilt sind Kletterschuhe in allen Größen, Gurte S bis L, ein paar Seile natürlich und Trauben von Karabinern. Alles mühsam über die Monate nach Tel Aviv eingeflogen. Die ausgelatschteren Schuhe stammen noch aus den Fundkisten von Kletterhallen in  Colorado, die edleren Teile haben sie gespendet bekommen, irgendwie am israelischen Zoll vorbeigeschmuggelt – wie, das wollen sie lieber nicht sagen.


Der Rohstoff dagegen war vorhanden. Vielleicht musste erst jemand von außen kommen – denBlick noch nicht von der Besatzung geschnürt –, um zu merken, dass zwischen den Checkpoints feinster Kalk herumsteht. Nicht so eindrucksvoll wie die Rockies natürlich, aber luftig genug, um ein paar Meter Abstand zu bekommen zu diesem verrückten Land (...)


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