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Tour d’Eritrea

Warum sollte man mit dem Fahrrad durch ein Land reisen, das als Nordkorea Afrikas bezeichnet wird? Und darf man das überhaupt? Vier Männer, viele Fragen und eine Überraschung: In Eritrea ist der Fahrradsport kein exotisches Freizeitvergnügen, sondern beinahe schon Religion

TEXT: Gregor Mahringer / FOTOS: Thilo Brunner

Auf den Fotos sehe ich nur Fahrräder. Überall Menschen auf Fahrrädern. Und das in Asmara, der Hauptstadt von Eritrea. Ernsthaft: Eritrea? Das kommt jetzt ein wenig unerwartet. Der Reisebericht über Asmara, der mir eher zufällig in die Hände gefallen ist, beantwortet meine ersten Fragen: Schuld sind die Italiener. Zwischen 1890 und 1941 kolonialisierten sie Eritrea und bescherten dem afrikanischen Land am Roten Meer nicht nur Brauereien, Krankenhäuser und die überwiegende Enteignung der einheimischen Bevölkerung, sondern auch das Fahrrad. Sie schafften den Drahtesel ursprünglich als Postfahrzeug in ihre neue Kolonie, nutzten es aber genau wie in der europäischen Heimat, um gegeneinander um die Wette zu fahren. 1937 wurde das erste offizielle Rennen in Asmara ausgetragen. Zwei Jahre später durften erstmals auch Eritreer daran teilnehmen. An ein Duell auf Augenhöhe dachte man im Lager der italienischen Mussolini-Faschisten dabei nicht – ein Sieg der eigenen Landsmänner im Exil wurde vorausgesetzt. -Tatsächlich aber gewann der einheimische Sportskamerad Ghebremariam Ghebru das Rennen und versetzte den verblüfften Italienern einen Schock. Die Eritreer hingegen feierten ihren Sieg mit unglaublichem Stolz: Sie hatten es den hochmütigen Kolonialisten gezeigt! Von wegen minderwertige Rasse! 1946 übrigens wurde in Eritrea der erste Giro dell’Eritrea ausgetragen, angelehnt an den berühmten -Giro d’Italia. Dabei gingen die Italiener lieber wieder auf Nummer -sicher: Eritreer durften nicht teilnehmen …

Vermutlich war der Sieg Ghebrus über seine italienischen -Konkurrenten 1939 der Ausgangspunkt dafür, dass sich der Radsport in Eritrea zu so etwas wie einer Ersatzreligion aufschwang. Dass er genau das aber auch heute noch ist, achtzig Jahre später, hat nichts mehr mit dem Widerstand gegen eine vermeintliche Kolonialmacht zu tun. Heute ist das Radfahren in Eritrea nicht mehr bloß ein -traditionelles Symbol nationaler Identität, sondern für so manchen Eritreer schlechterdings der faktische Hebel in die Freiheit. Doch -dazu später mehr. Mich machten die Bilder der radelnden Massen in Eritrea ganz unabhängig von politischen Konnotationen neugierig. Nach mehreren Reisen mit dem Mountainbike durch den Iran war ich schon länger auf der Suche nach einem Abenteuer, das meine Sicht auf die Welt erneut ein wenig umkrempeln würde. Zudem scheinen nirgendwo sonst in Afrika Fahrräder so allgegenwärtig zu sein, nirgends sonst die Begeisterung bei Radrennen so riesengroß. Könnte Eritrea das Ziel meiner nächsten Fahrradreise werden? 

Das Problem dabei: Eritrea gilt als das Nordkorea Afrikas. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1993 regiert Präsident Isayas Afewerki mit harter Hand – und größtmöglicher Abschottung vom Rest der Welt. Eritrea gehört zu den Ländern mit den meisten Flüchtlingen. Legale Ausreise ist für den Großteil der Menschen nicht möglich. Der UNO-Menschenrechtsrat wirft dem Regime regelmäßig schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Für die Organisation Reporter -ohne Grenzen balgt sich Eritrea schon seit Jahren mit Turkmenistan und Nordkorea um den letzten Platz, wenn es um die Pressefreiheit geht, Amnesty International berichtet regelmäßig von politischen Gefangenen. Ist es nicht auch ein kleines bisschen irrwitzig, in solch einem Land eine Fahrradtour machen zu wollen? Meine Familie, meine Freunde sagten: allerdings. 

Im Juni 2018 kommen dann gute Nachrichten aus Eritrea: -Achtzehn Jahre nach Kriegsende gibt es endlich einen Friedensvertrag mit Äthiopien. Das verbessert die Bedingungen für die Reise nach -Eritrea grundlegend. Und auch Mitstreiter finde ich: Toni, Luigi und Thilo. Unser grober Plan: Wir starten in Asmara und steuern dann in einem Rundkurs die größeren Städte an. Das alles auf Gravelbikes mit Bikepacking-Ausstattung. Nach Asmara zu kommen ist kein Problem. 

Für alle anderen Städte braucht man Reisegenehmigungen vom Tourismusministerium. Ob man die auch für eine Fahrradreise bekommt? Berichte über lange Bearbeitungszeiten und …

 


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 3/2019

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