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SOMMER-ABC 2019

Den Traum-Van mieten. Mit Lamas durch Deutschland wandern. Oder einfach vor der Haustür unter freiem Himmel übernachten. In einem LOS EXTRA! haben wir schon mal kleine und größere Abenteuer durchbuchstabiert – für die sonnigsten Monate des Jahres

Airstream

Im Luxus-»Silberling« auf dem Campingplatz

In Van Goghs Weizenfeld steht ein silberner Wohnwagen. Hinter Vermeers »Mädchen mit dem Perlenohrring« auch. In der Abbey Road der Beatles und auf ägyptischen Malereien. Im Internet kursieren etliche Bilder, auf denen Fans einen Airstream-Wohnwagen in klassische Kunstwerke einbauen. Die kultische Verehrung zeigt: Der Airstream ist mehr als nur ein Wohnwagen. Das glänzende Design entstand nur, weil der Ingenieur Wally Byam schon in den Dreißigern einen Wohnwagen bauen wollte, der leicht genug für Pkws ist. Also wurde die Außenhülle komplett aus Aluminium genietet. Die silberne Rakete war geboren. Seit 2006 wird auch eine Version für Europa gebaut, mit 230-Volt-Anschlüssen. Trotzdem bleibt der schöne Klassiker selten, es gibt in Deutschland nur einen Händler mit Showrooms in Merenberg bei Limburg und in Augsburg. In der Grundausstattung, mit Überführung aus den USA, kosten die Wagen 85 000 bis 110 000 Euro. Mieten kann man sie leider nicht zum Fahren, wohl aber als Standwohnwagen für eine laue Sommernacht – bei Venedig, Rom, auf der Mittelmeerinsel Procida oder in der Provence.

Info: airstream-germany.de, italyairstream.com, ab 125 Euro pro Wagen / Nacht inkl. Frühstück

 

 

Barfuss gehen

Ohne Schuhe unterwegs zu sein stärkt die Muskulatur – und das Selbstbewusstsein

Im Fitnessbereich fallen seit ein paar Jahren Barfuß- Schuhe auf, etwa »Nike Free« oder »Vivobarefoot«. Aber warum nicht gleich die Schuhe ganz ausziehen? Barfußgeher haben eine Lobby, Literatur und verschiedene Pfade und Areale in Deutschland. Das Gehen mit nackten Füßen ist gut für den Laufstil, wird bei Rückenschmerzen sogar von Ärzten empfohlen und schont die Gelenke. Ob der Ballen- oder Fersengang dabei die richtige Technik ist, darüber streiten die Experten. Unstrittig: Deutschlands größte Barfußparks liegen in Bad Orb im Spessart und in Dornstetten im Schwarzwald. Letzteren besuchen jährlich 170 000 Menschen, um barfuß auf Kies, Holz, Lehm oder abgeschliffenem Glas zu laufen. Der Barfußpfad Kissinger Höhe bei Hamm bietet Veranstaltungen an, etwa Vorträge zur »Barfußgesundheit«. Übrigens, die Sängerin Joss Stone, die immer barfuß auf die Bühne geht, sagte auch einmal warum: Sie stehe dann einfach stabiler und falle nicht um.

Info: barfuss.guru, barfuss.net, Wanderempfehlungen unter barfuss-trend.de

 

 

Chiemgauer100

Nur 150 Teilnehmer gehen beim schönsten Traillauf des Landes an den Start

Die vielleicht schönste, aber auch härteste deutsche Strecke für Trailrunner führt durch die Bayerischen Alpen – die 100 Meilen, also 161 Kilometer, des Ultralaufs Chiemgauer100 (es gibt auch Varianten über 75 oder 100 Kilometer). Der Trail führt über Wander- und Forstwege und enthält ein paar sehr anspruchsvolle Auf- und Abstiege. Insgesamt sind 4400 Höhenmeter zu bewältigen. Die Läufe finden vom 2. bis 4. August statt. Nur 150 Läufer machen mit, mehr lässt der Naturschutz nicht zu. Man kann die Distanz um 25 Kilometer verkürzen und den letzten Berg auslassen – das nehmen auch viele wahr, der letzte Gipfel führt noch einmal 1000 Meter höher, in einer Zeit, in der es oft Gewitter gibt.

Info: Anmeldung (bis 1.7.): chiemgauer100.de. Die Strecke als 3D-Animation findet ihr hier.

 

 

Defender

Mit dem Klassiker von Land Rover Richtung Polarkreis

Einmal um die Ostsee – und noch weiter nach Norden! Über Dänemark, Schweden und Norwegen geht es Richtung Polarkreis, dann zurück über Finnland, Estland, Lettland und Litauen nach Oldenburg – das ist Udo Paries’ Plan für die nächsten zwei Monate. Das Gefährt des 51-Jährigen: ein Land Rover Defender 110 Td5 mit Alkovenaufbau. Los ging’s am 31. Mai.

FREEMEN’S WORLD: Warum gerade dieser Wagen?
Udo Paries: Weil er anders ist. Die neuen Autos sehen doch alle gleich aus – ein Land Rover aber hat Charakter. Die Karre wirkt von außen wie ein Brikett, hat einen Luftwiderstand wie ein Haus. Alles ist spartanisch. Trotzdem, oder gerade deshalb, schwingt beim Fahren das Gefühl von Freiheit und Abenteuer mit.

Und Sie suchen das Abenteuer?
Eher die Freiheit. Im Alltag ist man ja verstrickt in jede Menge Verpflichtungen – auf der Tour bin ich unabhängig, kann frei entscheiden und machen, was ich will. Wenn’s irgendwo schön ist, bleibe ich. Wenn es mir nicht gefällt, fahre ich weiter.

Haben Sie keine Angst vor der Einsamkeit?
Ich habe ja meinen Hund auf dem Beifahrersitz – aber im Ernst: Anfangs habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie es wohl wird, sich zwei Monate lang so gut wie gar nicht austauschen zu können. Jetzt freue ich mich darauf. Auch weil ich gespannt bin, was dieser Zustand mit mir macht.

Was ist die größte Herausforderung an der Tour?
Die Frage, ob der Wagen durchhält. Ich bin kein Schrauber, aber natürlich nehme ich trotzdem ein paar Werkzeuge mit. Und ein paar Rollen Panzerband. Das hilft oft schon weiter.

Ihre Motivation aufzubrechen?
Heimweh habe ich noch nie in meinem Leben gehabt – immer nur Fernweh. Ich bin superneugierig, will so viel wie möglich von der Welt sehen. Die Lofoten zum Beispiel sind auf Bildern unglaublich schön – dort entlangzufahren wird sicher eines meiner Tour-Highlights. Oder einmal am Nordkap stehen. Es gibt einfach Dinge, die musst du selbst sehen und spüren – das sind die Momente, die bleiben

 

 

Eis

Franzbrötchen-Speiseeis vom Hamburger Start-up

Die Craft-Bewegung kennt man vom Bierbrauen, jetzt erreicht sie auch die Eisherstellung. Jedenfalls in der Art, wie Luicella’s sein Speiseeis anbietet, ein Start-up aus Hamburg. Die zwei Gründer der Firma – ein Profischwimmer und eine Absolventin der Università del Gelato in Bologna – präsentierten ihre Idee, einfaches, nachhaltiges Eis auf den Markt zu bringen, Ende 2017 in der Erfindershow »Die Höhle der Löwen«. Investor Frank Thelen kam sofort auf den Geschmack. Der hat ihnen nur die Kuh vom Logo entfernt, weil er auch Veganer ansprechen will. Inzwischen ist der Traum vom besonderen Eis umgesetzt, es gibt vier Eisdielen in Hamburg und Lübeck, und bundesweit sind Sorten wie »Karamell-Salz« und »Echte Vanille« bei Edeka im Handel. Zudem verschickt Luicella’s Eis-Pulvermischungen – zum Selbstzubereiten auch ohne Eismaschine (z. B. Franzbrötchen-Eis, siehe Foto). In der Anleitung gibt es am Ende stets den Tipp: vor dem Einfrieren noch hinzufügen, was immer man möchte. Zerbröselte Kekse, geraspelte Schokolade, Lakritzstückchen, Beeren.

Info: luicellas.de

 

 

Festivals

Die Open-Air-Saison macht noch mehr Spaß mit der richtigen Ausrüstung für laue, aber nicht immer ruhige Sommernächte

Wer auf ein Festival will, muss sich nicht mit Hunderttausenden anderen bei Rock am Ring oder in Wacken im Matsch wälzen. Es gibt zum Beispiel einen kaum bekannten Burning Man – in Deutschland! Wer zum Kiez Burn nördlich von Berlin will, muss die Facebook-Gruppe suchen und die Organisatoren überzeugen, dass er dazu passt (19. bis 23. Juni). Andere gute Festivals für Erwachsene sind Sacred Ground (Brüssow/ Uckermark, nur 1000 Gäste, 12. bis 14. Juli, Elektro und Dream-House) oder Haldern Pop Festival ( Haldern/ Niederrhein, 5000 Besucher, 8. bis 10. August, Indie und Rock, eines der besten). Aber erst mit der richtigen Ausrüstung gelingt das Feiern im Freien wirklich:

  1. Zelt
    Schnell und praktisch soll es gehen – deshalb am besten ein Wurfzelt für zwei Personen. Wirft man tatsächlich in die Luft, und das Zelt entfaltet sich, z. B. 2 Seconds 2XL Fresh & Black von Decathlon, 80 Euro.
  2. Schlafsack
    Der Outwell Campion Lux gilt als robuster, guter Sommerschlafsack. Für Festivals vielleicht besonders interessant: die Paar-Variante in der Breite 140 cm, ca. 50 Euro.
  3. Grill
    Skotti, der zusammensteckbare Grill, wiegt nur drei Kilo. Er besteht aus sieben Einzelteilen, die man zusammensteckt, unterwegs werden sie wieder ein flacher Stapel. Gasbetrieben, mit sicherer Tasche. 160 Euro. Info: skotti-grill.eu
  4. Kühltaschen
    Sind heute elegante, faltbare Taschen mit vielen Fächern. Nicht elektrisch, sondern mit Pads, weil ökologischer. Etwa die Canway Thermotasche (35 Euro). Oder als Rucksack der Tourit Kühler (40 Euro, passt aber viel weniger Bier rein).
  5. Tool
    Der Leatherman bleibt das Survival-Multitool der Wahl. Aktuell ist die Free-Reihe. Sehr leicht, stört kaum in der Tasche. Acht Modelle ab 60 Euro, am schönsten ist das Free P4 (200 Euro).
  6. Buch
    Von Dosenravioli bis vegan – Gerichte, die Zeltnachbarn neidisch machen. Stevan Paul, »Open Air. Das Festival- & Camping-Kochbuch«, Brandstätter, 29,90 Euro.
  7. Getränk
    Cold-Brew-Coffee-Tonic ist die neue Sorte von Thomas Henry. Gut als Mocktail, ohne alles. Oder mit Gin, dann ist es ein G&T mit angenehm bitterer Kaffeenote.
  8. Getränkehalter
    Flaschen, auch aus Plastik, sind bei vielen Open Airs verboten. Nur der harmlose Tetrapak geht immer. Egal ob Wein, Eistee oder Tomatensaft – in der Hand halten will man es nicht durchgehend. Da hilft der Getränkegurt »Pakbag« (10 Euro).

 

 

 

Ginger Beer

Die scharfe Trend-Limo einfach selbst machen

Die angenehm scharfe Limo aus Ingwer ist eigentlich nicht mit Kohlensäure versetzt wie im Supermarkt. Echtes Ginger Beer sprudelt, weil es gärt und gesunde Mikroben enthält. Dazu raspelt man jeden Tag etwas Ingwer, gibt Zucker und einen Esslöffel Wasser dazu. Nach ein paar Tagen blubbert es. Dann viel Zuckerwasser drauf, noch mal einen halben Tag gären lassen. Fertig. Mit Zitrone und Wodka ist es der Sommerdrink Moscow Mule. Der wird klassischerweise aus einem Metallbecher getrunken – passt ja für Camper!

Info: Diesen und ähnliche Tipps beim Fermentations-Guru Sandor Katz.

 

 

Hochbeet

Dreimal so viel ernten – bei der richtigen Anlage

Salat, Kürbis und Rucola im eigenen Garten zum Wachsen zu bringen ist nicht nur ein kulinarisches, sondern auch seelisch erfüllendes Vergnügen, dem sich immer mehr Menschen hingeben. Es gibt viele Wege zum Hochbeet. Die rustikale Variante: selbst bauen, z. B. aus Holzpaletten. Die elegantere Version: fertig kaufen im Baumarkt oder vom Edelversand Manufactum. Egal wie: Das Hochbeet ist die hohe Kunst des Kleingärtners, es passt überall hin und wirft dreimal so viel Ertrag ab wie ein klassisches Beet. Dabei muss aber nach einem ganz bestimmten System geschichtet werden. Ideal sieht das so aus (Illustration): unten grobe Zweige als Drainage, dann umgedrehte Rasensoden. Anschließend halb verrotteter Kompost und zu guter Letzt Gemüseerde. Angenehm ahnungslos, wie die meisten von uns, erklärt die Autorin Meike Winnemuth alles, in ihrem schönen neuen Bestseller »Bin im Garten« (Penguin, 22 Euro).

Info: z. B. dehner.at, hochbeet-tipps.com

 

 

Indoor-Welle

Wo die Brandung immer stimmt: Wellenreiten im Becken

Sie ist nicht die erste, aber die größte in Deutschland: Neun Meter breit ist die neue Indoor-Welle der Halle Wellenwerk in Berlin-Lichtenberg. Eine Gruppe Berliner Surfer hatte das schlechte Wetter satt und begann, eine alte Lagerhalle zum Paradies für Wellenreiter umzubauen. Nun entsteht in dem 18 Meter langen Becken eine sogenannte stehende Welle – das Wasser fließt so, dass die Welle ihre Position immer genau in der Mitte des Beckens hält. Die Eröffnung ist für Mitte Juni geplant, sofern kein technisches Problem dazwischenkommt. Ab Herbst soll es auch eine Bar sowie einen Biergarten mit Surfshop und französischer Küche geben. Das Wasser ist 24 Grad warm, Neopren ist nicht nötig. Direkt nebenan hat übrigens vor zwei Jahren der Windobona-Windkanal eröffnet, dort kann man auf einer 280 km/h-Luftsäule schweben. So wird das etwas unscheinbare Lichtenberg im Osten Berlins gerade zu einem kleinen Zentrum für Actionsport.

Info: Surf-Termine buchen unter wellenwerk-berlin.de oder Tel. 030/20 45 62 26

 

 

Jagen

In zwei Wochen zum Weidmann werden

Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wer das Jagen erlernen möchte, der kann auch. Und zwar – extra für Berufstätige – in nur zwei Wochen. Ein Intensivkurs mit Abschlussprüfung auf Gut Grambow in Mecklenburg-Vorpommern kostet 6000 Euro, unterrichtet wird in kleinen Gruppen mit bis zu fünf Personen. Wie man das geschossene Wild zerlegt, wird ebenso eingeübt, und zwar auch in der Schonzeit – dann muss Dammwild aus dem hauseigenen Gatter dran glauben. Der nächste Termin ist 1. bis 21. September 2019. Nach erfolgreicher Prüfung müssen Sie sich nur Ihr Revier suchen. Weidmannsheil!
 

 

Knoten

Wie man Seile richtig knüpft und verschlingt

Schon in Homers »Odyssee« werden kunstvolle, »zaubermächtige« Knoten erwähnt, und in der Steinzeit wurden Speerspitzen an Stöcke geknotet. Die Internationale Gilde der Knotenmacher in London verzeichnet in ihrer Enzyklopädie 3854 verschiedene Knoten. Wer draußen zeltet, kocht oder Ausrüstung sichert, sollte ein paar davon können. Für Outdoor- Aktivitäten sind nützlich: Halbmastwurf am Karabiner, Rundtörn und der Einbindeknoten.
 

 

Lama-Trekking

Wandern mit Begleittieren sorgt für Ruhe

Sie strahlen Ruhe aus, gelten als einfühlsam und sanft. Deshalb werden Lamas und ihre etwas kleineren Verwandten, die Alpakas, in Deutschland gern als Wandertiere eingesetzt. Psychologen nutzen sie auch bei der Therapie gegen Depression, Angst oder Burn-out. Alpakas sind für Kinder geeignet, Lamas für gestresste Städter. Zum Wandern und Entschleunigen. Wer ein Lama führen will, muss friedlich im Umgang mit ihm sein und eine Bindung aufbauen. Lama-Trekking wird in der Lüneburger Heide, in der Rhön, im Hunsrück oder Nürnberger Umland angeboten. Eine Tour kann von einem halben Tag bis zu einer Woche dauern. Meistens kommen Landschaftsführer mit, die gleich noch die Gegend erklären. Keine Sorge: Lamas spucken nur ihresgleichen an. Solange man sie nicht nervt.

Info: Eine Übersicht mit Links zu vielen Stationen findet ihr hier.

 

 

Mikroabenteuer

Nach Feierabend in der Natur übernachten, morgens zurück ins Büro

Mikroabenteuer sind Unternehmungen vor der Haustür, die ohne viel Vorbereitung und mit wenig Ausrüstung funktionieren. Auch zwischen zwei Arbeitstagen – von »five to nine«. Das Ziel ist dabei gar nicht so entscheidend – einfach direkt nach Feierabend raus, die Nacht unterm Sternenhimmel verbringen und morgens mit Sack und Pack wieder zur Arbeit erscheinen. Fünf Tipps vom Mikroabenteuer- Experten Christo Foerster (Foto):

Ausrüstung: Schlafsack, Isomatte oder eine leichte Hängematte, Wechsel-Shirt, Zahnbürste und ein bisschen was zu essen – mehr braucht es nicht für eine Draußennacht unter der Woche. Alles passt in einen Daypack oder kleinen Tourenrucksack. Rauskommen: Mit einer beliebigen S- oder U-Bahn bis zur Endstation, von dort aus noch mal eine Stunde wandern. Am besten der Nase nach, alternativ von einer App wie »outdooractive« oder »komoot « Wege und landschaftliche Highlights anzeigen lassen. Einen Schlafplatz finden: Der Übernachtungs-Spot muss nicht spektakulär schön sein. Meist sind unscheinbare Orte weniger frequentiert. Waldränder oder Uferabschnitte eignen sich gut. Naturschutzverordnungen respektieren! Wer sein Lager im Dunkeln aufbaut und morgens früh weg ist, bleibt praktisch unsichtbar. Wildes Zelten ist an vielen Orten verboten, das Übernachten ohne Zelt in der Regel nicht (siehe Buchstabe W). Besser schlafen: Ein dünnes Tuch (etwa ein Schlauchtuch der Marke Buff) ist der perfekte Kopfschutz für Draußennächte. Den Pulli im Packsack des Schlafsacks als Kopfkissen nutzen. Das Schlafsack-Klima über den Reißverschluss so regeln, dass man nicht schwitzt. In der Hängematte immer so diagonal wie möglich liegen. Frisch machen: Entweder den Kopf kurz ins nächste Gewässer halten, die Reste aus der Wasserflasche benutzen oder einfach später am Arbeitsplatz duschen. Wenn Letzteres nicht möglich ist, sind auch Fitnessstudios oder Bahnhofstoiletten (mittlerweile sauberer, als man denkt) eine Option.

Info: Gerade ist Christo Foersters neues Buch »Raus und machen« erschienen, Harper- Collins, 14,99 Euro. Weitere Empfehlung: »Wochenender« (Bände zu Nordsee,Ostsee, Lüneburger Heide), Frenz Verlag, je 18 Euro

 

 

Nacktwandern

Gut organisiert, besonders im Osten: Freikörperkultur im Wald

In den USA gibt es »Free the nipple«-Bewegungen und Prüderie auf Facebook und Instagram, die Deutschen müssten eigentlich darüber nur lachen. Freikörperkultur wurde hier um 1900 erfunden und besonders in der DDR gepflegt. Heute gibt es auf Aida-Kreuzfahrtschiffen, sehr zum Erstaunen der internationalen Gäste, immer einen FKK-Bereich. Und im deutschen Wald trifft man auf Nacktwanderer. Im Harz wird der »Naturistenstieg« gerade neun Jahre alt, eine Strecke für alle, die nur noch Schuhe tragen. »Willst Du keine Nackten sehn, darfst Du hier nicht weitergehen« steht auf den Schildern. Auch in Sachsen ist das Nacktwandern gut organisiert, es gibt Nudisten-Wandertouren und Nacktradeln.

Info: Die Sächsische Nacktwanderwoche findet vom 22. bis 31. Juli statt, Details und Tourenkalender unter nacktwanderfreunde.de

 

 

Offroad-Park

Kerniger Geländespaß mit Hummer, Buggy, Quad & Co.

In Fursten Forest, dem größten Offroad-Park Europas bei Osnabrück, treffen sich Männer, um im Quad, Hummer oder einem russischen Schützenpanzer den Dreck fliegen und die Sau rauszulassen. Unvermittelt ernst wurde es Anfang April, als auf dem ehemaligen Übungsgelände der Bundeswehr zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden. Sie mussten vor Ort gesprengt werden. Seitdem wird mit nochmals erhöhtem Adrenalinspiegel über das 400 Hektar große Areal gebrettert, zum Beispiel bei der Dark Forest Tour, einer Nachtfahrt für geübte Fahrer. Wer es weniger dunkel und martialisch liebt, lässt sich im leichten Buggy durchrütteln.

Info: Übernachtungen auf Campingplatz oder in ehemaligen Kasernen mit Etagenbetten möglich, furstenforest.de

 

 

Plogging

Neuer Trendsport aus Schweden: Beim Laufen die eigene Stadt aufräumen

Bei seinen Joggingrunden durch Stockholm nervte Erik Ahlström (Foto) der Müll am Wegesrand. Die Idee des Schweden: bücken und einsammeln. Geboren war der neue Trendsport »Plogging«, ein Kunstwort aus »Plocka«, Schwedisch für Aufheben, und »Jogging«. Plogging ist sportliches Müllsammeln. Man bückt sich viel und läuft dann wieder – Intervalltraining für einen guten Zweck. Das kann natürlich jeder für sich allein machen oder organisiert. Die Strecken sind etwa fünf Kilometer lang. Zurzeit bilden sich Initiativen in etlichen Städten, in München sogar von der Stadt organisiert.

Info: Routen bei der Sportwissenschaftlerin Anita Horn unter ahornzeit.de oder plogging-cologne.de

 

 

Quidditch

Eine Harry-Potter-Idee wird zum realen Sport

In dem Buch »Quidditch im Wandel der Zeiten« der Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling heißt es: Amerikanische Magier spielen zwar Quidditch, sind aber nicht besonders gut darin. Die Realität sieht anders aus: Die USA wurden im vergangenen Sommer in Florenz zum dritten Mal Quidditch- Weltmeister – Finalgegner Belgien hatte keine Chance, beim Stand von 90 : 60 fing der Seeker Harry Greenhouse auch noch den Schnatz. Auch wenn die Spieler als Symbol des Besens einen Stock zwischen den Beinen tragen müssen, flog niemand wirklich. Quidditch hat sich unabhängig von den Harry-Potter-Büchern längst zu einem echten Sport entwickelt. Bei der Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby treten Mannschaften aus sieben Spielern gegeneinander an. Gespielt wird in etwa 40 Ländern, auch Deutschland hat gut 30 Teams. In Hamburg treffen sich Hobbyspieler im Sommer zum »Beach Quidditch Cup« am Elbstrand von Blankenese (Termin unter quidditch-hamburg.de/beach-quidditch). Auch als Einstimmung auf das Theaterstück »Harry Potter und das verwunschene Kind«, das im März 2020 in Hamburg Premiere feiert.

Info: Termine und Teams unter deutscherquidditchbund.de

 

 

Rausch

Die Reise nach innen mit Schamanenpflanzen aus dem Wald

Hat man draußen alles gesehen, wird offenbar auch die Reise nach innen interessant: In deutschen Großstädten erfreuen sich Ayahuasca-Seminare wachsender Beliebtheit. Entertainer Joko Winterscheidt schluckte den psychedelischen Pflanzensud auch schon im Fernsehen. Für Christian Rätsch (Foto) ist das modischer Unsinn. Der Hamburger ist die wohl größte Autorität in Sachen berauschender Pflanzen und Naturdrogen. Der Ethnobotaniker untersucht, was die deutsche Natur denen bietet, die ihr Bewusstsein erweitern wollen. Im Sommer sind das etwa Bilsenkraut und Zauberpilze. Ein wahrer Psychonaut geht also in den Wald, und was er dort findet, ist auch legal. Trotzdem mit Vorsicht zu genießen! Deswegen gibt es Seminare über berauschende Kräuter, Online- Stichwort »Schamanenpflanzen«.

Info: magischepflanzen.de. Christian Rätsch bietet Wochenendseminare an unter christian-raetsch.de. Dazu auch sein Buch »Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen«, ATVerlag, 2018, 120 Euro

 

 

Sommerski

Die einzige Piste der Alpen, die nur im Sommer geöffnet hat

Zu Pfingsten wird geöffnet, und spätestens im November schließt die Passstraße, der einzige Zubringer. Das Stilfser Joch, der höchste Pass in den Ortler-Alpen, ist das einzige Gletscherskigebiet, das nur im Sommer betrieben wird. Das Gebiet erstreckt sich bis 3500 Meter Höhe und verfügt über 30 Pistenkilometer, zehn Bahnen und drei Langlaufloipen. Wohnen kann man im Hotel von Gustav Thöni, dem ehemaligen Skirennläufer aus Trafoi. Und wer mag, nimmt bergab mit dem Mountainbike den GoldseeTrail, 28 Kilometer vom Joch bis nahe Glurns – einer der längsten Singletrails der Alpen. Aber Achtung: vor neun Uhr in den Trail einfahren, danach gehört er den Wanderern.

Info: vinschgau.net/de/ortlergebiet.html

 

 

Trekkingschuh

Wie sich moderner Kunststoff dem Fuß anpasst

Neue Wanderschuhe gibt es viele, aber dies ist eine echte Innovation: der Schuh, der nie drückt. Das Innere des Tecnica Forge besteht aus thermoplastischem Material, das sich verformt, wenn es heiß wird. Es wird im Laden erwärmt, dann zieht der Kunde den Schuh an, und eine Maschine drückt erst die Sohle, dann den Innenschuh mit aufblasbaren Kissen an den Fuß. Nach 20 Minuten ist der »erste komplett individualisierbare Outdoorschuh der Welt«, so der Hersteller, fertig. Auf der SportartikelMesse ISPO wurde er als »Produkt des Jahres« ausgezeichnet. Neuerdings gibt es das Verfahren auch für Plasma, einen leichteren Low-Cut-Wanderschuh.

Info: Forge ca. 280 Euro/Plasma ca. 150 Euro, tecnicasports.com

 

 

Urwald

In Deutschland gibt es Wald, der seit 500 Jahren unberührt ist

Urwald gibt es auch in Deutschland. Zum Beispiel den Urwald Mittelsteighütte im Nationalpark Bayerischer Wald. Oder den Hainich in Thüringen, der zwar in der DDR für Militärübungen genutzt wurde, nun aber wieder ruht. Der schönste wilde Wald befindet sich auf einer Insel: Vilm im Rügischen Bodden, nur ein Quadratkilometer groß. Dort wurde seit 1538 kein Baum mehr gefällt, und seit 80 Jahren steht der Wald auch unter Naturschutz. Die ehemaligen Ferienhäuser des DDRMinisterrats werden heute von einer Naturschutzakademie genutzt. Geführte Exkursionen auf einem drei Stunden dauernden, nur teilweise befestigten Rundweg sind bis September möglich. Auf die Insel dürfen aber nur 30 Personen zur selben Zeit – und das nur zweimal am Tag. Wer die Insel besucht, erlebt einen mystisch wirkenden Zauberwald, der in Europa einzigartig ist.

Info: Eine Anmeldung ist erforderlich unter vilmexkursion.de

 

 

Vater-Sohn-Survival

Gemeinsame Erlebnisse bei Bogenschießen, Spurenlesen und Birkenrindesammeln

Kanufahren, Baumklettern mit Seil oder einfach Feuermachen – also Dinge, die zu zweit einfach mehr Spaß machen – stehen im Zentrum der Vater-Sohn-Survivalkurse, von denen sich im ganzen Land eine Handvoll finden. Gute Angebote gibt es in Mirow an der Mecklenburgischen Seenplatte, im Wilderland im Segeberger Forst in Schleswig-Holstein oder bei Wildnistraining.de in der Eifel. Die Programme dauern drei Tage bis eine Woche. Klar, es gibt ein paar Klassiker, die nie fehlen dürfen, etwa das Bogenschießen. Aber auch Spurenlesen im Wald und Kochen am Feuer gehören dazu. Zelte sind meist schon aufgebaut, Handyempfang gibt es keinen. Die Erfahrung zeigt, dass diese leichten SurvivalCamps häufig von Scheidungsvätern gebucht werden, um mit ihrem Kind über längere Zeit etwas zu unternehmen. Die Diskussionen, ob auch Frauen dabei sein dürfen, werden immer wieder geführt. Aber es gilt: Mütter nie, Töchter bei manchen Programmen schon.

Mehr Infos gibt es hier

 

 

Wild Campen

Deutschland lockert das Verbot, in der Wildnis zu zelten

Skandinavier freuen sich seit jeher über das »Jedermannsrecht «, das ihnen erlaubt, ihr Zelt überall aufzustellen. Deutsche dagegen mussten teils mit empfindlichen Strafen rechnen für wildes Campen. Nun nehmen sich manche Gegenden ein Beispiel an unseren nordischen Nachbarn. SchleswigHolstein erlaubt das freie Campen in 20 ausgewiesenen Gegenden (»Wildes Schleswig-Holstein «), an der unteren Havel dürfen Paddler ihre Lager aufschlagen, im Pfälzerwald gibt es 15 Lagerplätze für Trekker. Die gekennzeichneten Areale sind mit Chemieoder Komposttoiletten und Feuerstellen ausgestattet, teilweise kann man diese über GPS finden. Das wichtigste Gesetz beim wilden Campen: Müll mitnehmen! Darin sind die Schweden sehr diszipliniert. Genau wie auch in unserem direkten nördlichen Nachbarland: In Dänemark hat der Staat ein Netz von über 700 Lagerplätzen für nichtmotorisiert Reisende eingerichtet, die kostenlose App »Shelter« führt Reisende auf den Wegen dorthin.

Info: Deutschland: trekking-pfalz.de, trekkingerlebnis.de, wildes-sh.de, trekking-bayern.de, trekking-eifel.de, naturparkschwarzwald.de, flussinfo.net, forststeig.sachsen.de.

 

 

 

Xletix

Extreme Hindernisläufe, die nur im Team zu bewältigen sind

Hindernisläufe wie Tough Mudder, Spartan Race oder Mud Masters erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Der Kampf mit Schlamm, fiesen Hindernissen und dem inneren Schweinehund funktioniert am besten als Gemeinschaftserlebnis. Dafür ist besonders Xletix geeignet, denn hier gehört es zu den Regeln, die Strecken im Team zurückzulegen. Die Extrem-Challenge steht nicht nur für knifflige Hindernisse, sondern auch für besondere Locations. Xletix findet an verschiedenen Orten in Deutschland statt, mal im Steinbruch Osterholz in Wuppertal am 31.August, mal in Grömitz an der Ostsee am 14./15. September mit Wasserrutsche in den Dünen und Schlammlauf am Strand.

Info: Alle Termine unter xletix.com.

 

 

 

Yoga für Kerle

Der ideale Sport, der überall geht

Die indische Gymnastik und Philosophie wird auch für Männer immer interessanter. Und damit sind nicht nur lustige Moden wie Bieryoga oder Heavy-Metal-Yoga gemeint. Es gibt weltweit angesehene männliche Yogalehrer in Deutschland, etwa Mike Erler in Lübeck oder Patrick Broome in München, der schon Sting und Madonna unterrichtete. Sie alle kommen in dem Blog Yogadu.de vor, der sich dem Thema aus Männersicht widmet. Dort schreibt der »Yogadude« Thomas Meinhof (Foto) über Themen wie Fußball, Yoga und Hardrock, aber auch Meditation.

FREEMEN’S WORLD: Yoga wird in erster Linie mit Frauen in Verbindung gebracht. Was ändert sich gerade?
Thomas Meinhof: Wir holen uns Yoga gerade ein wenig zurück. Die ersten Yogis vor rund 2500 Jahren waren immerhin Männer. Die Fußballnationalmannschaft macht seit Jahren Yoga, andere Vereine auch, es ist gut für die Tiefenmuskulatur – aber auch für die Psyche.

Es heißt immer, Männer täten sich schwer mit Innenschau und Meditation.
Man muss nicht in Embryohaltung auf der Matte liegen und heulen. Es reicht, mitzumachen und vielleicht ein wenig auf den Körper zu hören.

Warum kommen Männer zu Ihnen?
Weil sie was für ihren Körper tun wollen, aber keine Lust auf Joggen haben.

Wie unterscheidet sich Yoga für Männer und Frauen?
Bei mir ist alles ein bisschen tätowierter und rockiger. Man muss nicht ständig andächtig sein und Räucherstäbchen abbrennen im Unterricht.

Wie fängt man denn an?
Einen Anfängerkurs suchen und einfach machen! Outdoor-Leute sind doch sonst so Machertypen. Nicht zu viel denken, einfach hingehen. Man braucht für Yoga nichts, nicht einmal eine Matte. Daher ist es für Kanufahrer genauso perfekt wie für die Geschäftsreise. Yoga geht überall.

Info: Thomas Meinhof bloggt unter Yogadu.de und unterrichtet auch: siehe shivashiva.de. Ein Buch zum Thema: »Yoga für den Mann« von Patrick Broome, Nymphenburger, 18 Euro

 

 

 

Zipline

Mit Baumwipfeln auf Augenhöhe

Wald und Gebirge wie im Flug erleben, das geht auf der längsten Natur-Zipline Deutschlands in Hirschgrund, zwischen Freiburg und Stuttgart im Schwarzwald. Dort sind mehrere Seile gespannt, ohne Betonfundamente und Stahlträger, immer nur von Baum zu Baum. Teilnehmer gehen in Achtergruppen auf Tour, geführt von einem Guide, der zuerst rutscht. Zum Üben stehen zwei harmlose Bahnen zur Verfügung, dann wird es ernst mit fünf verschiedenen Ziplines, verbunden durch Podeste und Pfade. Höhepunkt ist die Gründlebahn mit 570 Meter Länge und 83 Höhenmetern. Dauer des Parcours: 2,5 Stunden. Und einer aus der Gruppe darf das Funkgerät halten, durch das der Guide den Befehl zum Losrutschen gibt.

Info: Die Tour kostet je nach Saison und Wochentag maximal 48 Euro

 

 

 

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