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SCHWINGERCLUB

Fliegenfischer sind noble Jäger und haben die Ruhe weg. Der Haken an der Sache: Das Klischee stimmt nicht. In Wahrheit sind sie Nervenbündel und Meister des Betrugs...

Wie Fliegenfischer von der Natur lernen

Text: Sven F. Goergens |  Fotos: Anze Osterman

Eigentlich handelt es sich um einen niederträchtigen Schwindel. Fliegenfischer sind ausgebuffte Betrüger, sie werfen der Forelle eine ungenießbare Insektenattrappe aus Federn und Haken vors Maul und hoffen, dass der Fisch sich von der hübschen Kunstfliege verführen lässt.

Der Bluff gelingt oft. Sei es, weil der Fisch aus Unachtsamkeit die Fälschung für eine notgewasserte Steinfliege hält und sie verschlingt. Oder aber irgendein ralliger Lachs beißt aus Übermut in das glitzernde Federbüschel, weil ihm auf seiner Hochzeitsreise in den Flussoberlauf der letzte Rest Verstand abhandengekommen ist. Vielleicht macht ihn das lange Fasten kirre, wenn Salmo salar, der Lachs, das Meer verlässt und zum Liebesspiel ins Süßwasser schwänzelt.

Überhaupt ist beim Fliegenfischen eine gehörige Portion Machismo systemimmanent. Zielt doch alles darauf ab, mit ein paar billigen Versprechungen viele Flossenträger möglichst rasch flachzulegen. Der Fliegenfischer ähnelt dem Aufreißer: Ein paar Drinks an der Bar, ein paar schöne Worte, und schon ist das Objekt der Begierde umgarnt und im Netz. Wobei das menschliche Opfer der Lust im Vergleich zur Forelle meistens gut dabei wegkommt. Das aufs Kreuz gelegte Fischlein muss seinen Irrtum nämlich oft mit dem Leben bezahlen.

Der Schweizer Psychoanalytiker Paul Parin hatte bald spitz, was sich in der dunklen Seele des Anglers verbarg: Es gehe um »Leidenschaft, Gier, Wollust«, schrieb der Gelehrte, Abenteurer und Freigeist, der selbst zur Fliegenrute griff. Es lag ihm allerdings fern, Angler zu kriminalisieren, wie es zurzeit in politisch korrekten Kreisen zum guten Ton gehört. Und doch hatte er wohl recht, als er im Jagd- und Geschlechtstrieb verwandte Motive witterte: die Lust an der Unterwerfung, der Triumph über die Kreatur. In dieser Hinsicht macht sich der Fliegenfischer besonders verdächtig: Er erangelt sich die Macht über die Beute durch Betrug. Sein Triumph ist auch ein Triumph der Arglist und deshalb besonders. [...]

 

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 03/15 

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