Russisches Eisfach

Erstellt am Nov 29, 2016
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MissionSudan

Jakutsk ist die kälteste Stadt der Welt. Für Menschen, die in Ostsibirien draußen arbeiten müssen, herrschen extremste Bedingungen. Wir haben Fischer, Pferdezüchter und Eremiten getroffen.

Text: Heico Forster Fotos: Ragnar Axelsson

Weißer Dampf hängt in der eisigen Luft. Schornsteine, Autos, selbst Menschen stoßen große Dunstwolken aus. Hinter dem Qualm versteckt sich die Sonne und wirft lange Schatten. Sie steht tief zu dieser Jahreszeit, es ist Ende Februar und minus 40 Grad in Jakutsk. Inmitten von sowjetischen Zweckbauten verliert sich ein kleiner Bauernmarkt. Ein Dutzend schiefe Verkaufsstände mit Wellblechdächern.
Die Marktfrauen tragen diverse Kleidungsstücke übereinander, Schicht um Schicht, wie Matroschka-Puppen. Unförmig rund, mit riesigen Fellmützen und klobigen Stiefeln preisen sie die Waren an. Das Kinn an die Brust gepresst, haben sie ihre Gesichter tief unter ihre Schals geschoben. Dieser Job ist nichts für Häkelschwestern. Steif gefrorene Fische stehen wie Baguettebrote senkrecht in den Körben vor ihnen. Auf den Tischen liegt Obst und Gemüse. Steinhart. Milch kauft man nicht in Litern, sondern in Zentimetern. Eine alte
Russin fräst gerade ein paar Scheiben aus einem Milchblock. Trotz der Kälte hat sie ein Lächeln auf den Lippen.
Vor dem Markt treffe ich meinen Fahrer Ivan. Auch der Parkplatz dampft. Menschenleere Ladas und Wolgas warten mit laufendem Motor auf die Weiterfahrt. »Bei diesen Temperaturen springen die Autos nicht wieder an, wenn du sie draußen und nicht in einer beheizten Garage abstellst«, sagt Ivan. Er zündet sich eine Zigarette an und setzt den
UAZ, eine Art russischer VW-Bus, in Bewegung. Der Wind treibt Schnee über den Asphalt, und der Verkehr kriecht über die vereiste Straße. Im Hintergrund grüsst eine riesige Lenin-Statue mit…

Den kompletten Artikel “Russisches Eisfach” findest du in der Ausgabe 04/16 – Erscheinungsdatum: 01.12.16.
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