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Powder-Party am Pazifik

Ganz weit im Osten Russlands, in der kalten Brandung des Nordpazifiks, liegt die Halbinsel Kamtschatka. Mit Winterlandschaften wie aus einer anderen Welt – durchzogen von verschneiten Vulkanen. Der perfekte Ort zum Heli-Skiing

Text + Fotos: Dirk Wagner

Der längste Inlandsflug der Welt, der ausschließlich über die Landmasse eines einzelnen Staates führt, ist 
6757 Kilometer lang. Start ist in Moskau, die Landung erfolgt neun Stunden später in Petropawlowsk-Kamtschatski – am äußersten Zipfel von Russlands Föderationskreis Fernost. Aber wenn es um entlegene
Winterlandschaften und exotische Skiabenteuer geht, ist mir kein Weg zu weit. Deshalb habe ich Kamtschatka schon seit Jahren auf meiner Bucket List. Eine riesige Halbinsel, flächenmäßig in etwa so groß wie Deutschland, umgeben von drei Meeren: südöstlich des Pazifiks, im Osten die Beringsee und im Westen das Ochotskische Meer. Im Landesinneren gibt es Berge, Tundra und eine Vulkandichte wie kaum sonst wo auf der Welt. 29 davon sind aktiv, sechs brechen im Schnitt pro Jahr aus. In den Flüssen tummeln sich Heerscharen orangeroter Lachse, und mit über 12 000 Braunbären lebt auf Kamtschatka die größte Population weltweit. Die Natur ist weitgehend
unberührt, das Terrain unzugänglich. Nicht nur, weil die Halbinsel bis zum Ende der Ära des Kalten Kriegs militärisches Sperrgebiet war, sondern auch durch das extreme Wetter der nördlichen Breitengrade und die mangelnde Infrastruktur.

Will man tief ins Landesinnere und an den Fuß der großen Vulkane vordringen, benötigt man Luftunterstützung. Am besten in Form des russischen Mehrzweckhubschraubers Mi-8. Ein Omnibus der Lüfte für bis zu zwanzig Insassen, der in der Erstversion 1967 in Serienproduktion ging und immer noch im Staatlichen Flugzeugwerk 
Nr. 387 in Kasan, am Ort des deutschen WM-Debakels, gebaut wird. Im Cockpit sitzt ein Trio aus Pilot, Co-Pilot und Bordingenieur. Statt blinkender Elektronik und leuchtender Digitalanzeigen dominieren Relais und Kippschalter. Die Hochgebirgsversion ist 18 Meter lang, hat fünf Rotorblätter mit einer Spannweite von 23 Metern, dank dritter Turbine und Zusatztanks sind Gipfelhöhen von bis zu 7200 Metern möglich. Viel zu hoch für mich. Die höchsten Vulkangipfel Kamtschatkas ragen zwar über 4500 Meter in den Himmel und wachsen permanent durch Eruptionen, aber für meine Freeride-Träume reicht mir der Flug auf die Vulkangipfel und Bergflanken im Süden der Halbinsel. Die Landepunkte bewegen sich dort zwischen 1000 und 2200 Meter Höhe.

Verzückt sitze ich kurz vorm Abheben der Boeing 767 vom Airport Moskau-Scheremetjewo in meinem blauen Economyclass- Sitz und träume von skurrilen Russenhubschraubern, Schnee speienden Schloten und Powder-Abfahrten bis an die Pazifikküste. Was ich dann sehe, lässt mich zumindest stutzen: In den Flieger steigen etliche russische Paare in kompletter Skibekleidung. Das Ganze sieht nach Brückentag-Trip aus. Wattierte Jethosen im 80er-Jahre-Stil, üppig gefüllte Steppjacken mit Fellkragen sowie Hipster-Bommelmützen mit Swarovski-Besatz. Im Ortsbus in St. Anton am Arlberg wäre dieses Outfit normal. Nur, warum zum Teufel steigen hier Dutzende von Passagieren in voller Skimontur in eine Langstrecken-Boeing und nehmen in Thermokluft eine neunstündige Flugreise ins vulkanische Niemandsland auf sich? 

Die Lösung des Rätsels liefert mir später Maksim Balakhovskii auf dessen abgelegener Lodge im südöstlichen Landesinneren, wo ich mit anderen Skiverrückten aus aller Welt untergebracht bin. Zuvor muss ich einen abenteuerlichen…
 

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 4/2018

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