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PAPA, WO SIND WIR DA REINGERATEN?

Ein Ehepaar fasst den Entschluss, alles stehen und liegen zu lassen. Sie reisen von Kanada in ein buddhistisches Kloster im Himalaja – per Schiff, Bahn und zu Fuß. So weit (fast) nichts Besonderes. Wenn nicht auch noch ihre beiden kleinen Kinder dabei wären …

Eine Familie unterwegs in Himalaja

Text & Fotos: Bruce Kirkby

Nur Stunden zuvor war ich bei bester Gesundheit gewesen oder hatte das zumindest geglaubt. Jetzt standen im Krankenhaus besorgte Ärzte rund um mein Bett und führten hektisch zahlreiche Tests durch: Blutproben, Herzultraschall, CT-Scan. Am nächsten Tag zeichnete sich die Diagnose ab. »Sie haben eine Lungenentzündung«, erklärte mir ein stämmiger, südafrikanischer Arzt. »Aber da ist noch etwas anderes: Teile Ihrer Lunge sehen aus wie fein gemahlenes Glas. Waren Sie in letzter Zeit im Ausland?

Zwischen mühsamen Atemzügen erzählte ich ihm von der Reise unserer Familie in den indischen Himalaja. Den drei Monaten, in denen wir bei einem buddhistischen Lama gelebt und ein nur 2,5 mal 2,5 Meter großes Zimmer geteilt hatten. Von dem feuchten Husten, den der alte Mann bekommen hatte, und den täglichen Antibiotikaspritzen, die ich ihm in den Hintern verabreichte. Die Augen des Arztes weiteten sich. »Ich würde mein Leben darauf verwetten, dass Sie Tuberkulose haben«, sagte er, während er sich langsam rückwärts aus dem Zimmer herausschob. »Das ist enorm ansteckend.« Danach lag ich tagelang allein. Gelegentlich schauten Krankenschwestern herein, die wie Ebola-Helferinnen gekleidet waren und mir Blutverdünner und Antibiotika brachten. Während dieser langen Stunden kreisten meine Gedanken um meine beiden kleinen Söhne, Bodi und Taj, sieben und drei Jahre alt, die gemeinsam mit meiner Frau Christine, mir und dem Lama zusammengelebt, sich in seine Arme gekuschelt und ihn »me-me« (Großvater) genannt hatten. Wenn ich mich mit TB infiziert hatte, war so gut wie sicher, dass auch sie sich angesteckt hatten.

Jahrzehntelang hatte mich meine Arbeit als Autor und Fotograf auf lange Reisen durch die Wildnis geführt. Als dann die Kinder kamen, war es für uns völlig normal, sie mitzunehmen. Als Bodi sechzehn Monate alt war, hatte er bereits ein Viertel seines Lebens in einem Zelt verbracht und uns auf Kajakfahrten vor der argentinischen Küste, beim Bergsteigen in den Bugaboos, beim Surfen vor Vancouver Island und beim Trekken in Patagonien begleitet. Als Taj noch gestillt wurde, flogen wir nach Georgien, kauften dort ein Packpferd und durchquerten in sechzig Tagen den Kaukasus.

Jetzt war meine Welt völlig auf den Kopf gestellt. War mein Optimismus, alle Risiken bewältigen zu können, nur eine verantwortungslose Selbstüberschätzung? Wenn jemand unsere Entscheidungen infrage stellte, betete ich die üblichen Argumente herunter: über die Vorteile für die Persönlichkeitsbildung, extreme Herausforderungen zu meistern, über den intrinsischen Wert des Schlafens unter Sternen und sogar über die Stärkung des Immunsystems durch Aufnahme von etwas Schmutz. Im Rückblick muss ich aber zugeben, dass es vor allem Egoismus war, der mich diese langen, anspruchsvollen Reisen planen ließ: Ich sehnte mich einfach selbst nach der Wildnis. (...)

 

Den kompletten Artikel "Papa, wo sind wir da reingeraten?" findest Du in der Ausgabe 01/17.

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