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Neue Heimat Wildnis

Was bringt einen dazu, Freunde und Familie hinter sich zu lassen und in eine einsame Blockhütte in Kanada zu ziehen, mit Holzofen und Millionen funkelnden Sternen überm Dach, drum herum nichts als Wasser, Wald und Wildnis? Fotograf Peter (30) und Sophie aus Kiel über ihr Leben in der Einsamkeit Yukons.

TEXT: Peter Zenkl  / FOTOS: Peter Zenkl 

Die Batterien meiner Stirnlampe geben langsam den Kampf gegen die arktische Kälte auf. Noch einmal flackert das Licht kurz auf, dann ist es dunkel. Im schwachen Widerschein des Schnees kann ich auch ohne Lampe genug erkennen, um ein weiteres Stück Holz von der Sitka-Fichte zu sägen. Mache ich eine Pause, höre ich die Wölfe heulen. Mal lauter, mal leiser.
Manchmal klagend und fast traurig, dann wieder voller Kraft und Jagdlust. Diesmal sind sie ganz nah. Ich umfasse den Griff der Säge etwas fester, aber Angst habe ich eigentlich keine. Während das Geheul allmählich verklingt, sammle ich das Feuerholz zusammen und gehe zurück in unser Haus. Besser: unsere Blockhütte inmitten der Wildnis des Yukon. Hier, im hohen Norden von Kanada, lebe ich seit zwei Jahren mit Sophie und zwei Dobermännern.


Mein Name ist Peter, dreißig Jahre alt. In Deutschland habe ich Wirtschaft studiert, arbeite aber seit drei Jahren als selbstständiger Abenteuerfotograf. Meine Verlobte Sophie Mutlu ist zwei Jahre älter, gelernte Ergotherapeutin. Heute gestaltet sie Porträts und Karikaturen für Frischverlobte und Hochzeitspaare. Kennengelernt haben wir uns vor gut sechs Jahren bei meinen Nachbarn in Köln. Kurz darauf ging es gemeinsam in den ersten Abenteuerurlaub. Mit dem Auto ans Ende einer einsamen Straße irgendwo in Lappland und dann mit dem Faltboot flussaufwärts, so weit es eben ging. Es waren wunderbare vier Wochen, alles stimmte. Aber wir wollten beide mehr. Beim nächsten Mal mit dem Faltboot quer durch Thailand? Oder einmal rund um Australien? Und dann kam alles ganz anders.


Anfang 2015 hatte ich das Jobangebot einer mexikanischen Firma angenommen. Eigentlich trieb uns nichts aus Deutschland, aber die Verlockungen des Abenteuers in einem völlig fremden Land waren einfach zu groß. Ein Jahr lang arbeitete ich im Norden Mexikos als Vertriebsmanager in der Stahlindustrie, während Sophie als Englischlehrerin an einer Schule unterrichtete. Und wir adoptierten zwei Dobermänner. Aber unsere Erfüllung fanden wir dort nicht. Stattdessen zwischen rostigen Blechteilen und Saguaro-Kakteen einen alten VW Bulli, der unser Leben verändern sollte. Schnell einigten wir uns mit den Besitzern über den Kaufpreis und hielten kurz darauf einen Korb Mangos und den Schlüssel zu dem alten Wagen in unseren Händen. Nach nur zwanzig Minuten hatten wir unsere erste Panne.


Zwei Wochen später kündigten wir unsere Jobs und begannen, den Van auszubauen. Nach sechs Monaten hatte es noch immer kein mexikanischer Mechaniker geschafft, den Motor zu reparieren, aber dafür war der Innenausbau fertig. Wir hatten keine Lust mehr, uns über weitere Mechaniker zu ärgern, und machten uns selbst über Bremsen, Getriebe und Zylinder her. Zum Glück hatten wir keinen Zeitdruck, keine Vorstellungen oder Erwartungen, wann wir wo sein wollten. Wir rollten gen Norden, von einer Autopanne zur nächsten. Langsam durchquerten wir Mexiko, verhandelten mit korrupten Polizisten, schliefen an einsamen Stränden und lernten von gastfreundlichen Hirten, Ziegen zu melken und sogar zu schlachten. Dann überquerten wir die Grenze und erreichten Los Angeles, wo wir uns – vorbei an röhrenden Ferraris und Bentleys – qualmend und knatternd bis zu den Hollywood Hills kämpften. Dann weiter zum bergigen Yosemite National Park, den wir im ersten Gang durchquerten. Nach San Francisco, Oregon und Portland, wo wir in vier Wochen den Bus komplett neu verkabelten. Schließlich trieb uns das ablaufende USA-Visum weiter Richtung Kanada...

 


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 4/2019

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