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Neue Heimat

Mit jedem Schritt Dinge entdecken, die man auf einer Wanderung bisher nie gesehen hat: Wer querfeldein wandert, lernt seine Umgebung völlig neu kennen - Merlin Gröber entdeckt seine Heimat neu.

TEXT: Martin Gröber, FOTOS: Ramon Haindl

Eine Kuh glotzt mich an. Verdutzt steht sie vor mir, gedrungener Körper, kurze Hörner, zotteliges Fell. Ich stehe in einem kleinen Tal, ein Bach schlängelt sich durch Viehweiden, daneben wehen Roggenähren im Morgenwind. Ich bin genauso ver­wundert wie das braune Tier. Warum war ich noch nie in diesem Tal, das nur drei Kilometer nördlich von meinem Zuhause liegt? Kenne ich meine Heimat so wenig?

»Schön hast du es hier«, sage ich zu der Zottelkuh, die mich immer noch anglotzt. »Hier hätte ich früher herkommen sollen.« Die Kuh scheint sich nicht für meine Heimatgefühle zu interessieren, sie blinzelt, steckt sich die Zunge in ein Nasenloch und trottet davon.

Ein paar Stunden zuvor, fünf Uhr morgens: Ich stopfe in meinem Zimmer Schlafsack und Proviant in den Rucksack, schwinge ihn auf den Rücken und trete durch die Haustür hinaus in die Morgenluft. Heute ist der Start einer besonderen Unternehmung: Eine Woche lang möchte ich Richtung Norden wandern, nur mit Karte und Kompass. Nicht auf Feldwegen, Straßen oder Pfaden, sondern auf direktem Weg, querfeldein. Start: mein Zuhause. Ziel: irgendwo nördlich von hier. Meine Mission: der Kompassnadel folgen und meine Heimat neu kennenlernen. Ansonsten: kein Plan. 

Mein Zuhause, das ist ein kleines Dorf mit 380 Einwohnern, einen halben Tagesmarsch nordwestlich des Bodensees, eingebettet zwischen Streuobstwiesen und Kornfeldern. Hier verbrachte ich meine Kindheit und Jugend. Nach dem Abitur war der Hunger nach Leben groß, ich wollte die Welt sehen, frei sein, etwas erleben. Mit Rucksack und Zelt marschierte ich rund tausend Kilometer durch Kanada, mehrere Hundert Kilometer durch Norwegen und Neuseeland. Damals wanderte ich nicht aus Liebe zum Gehen, sondern aus Pragmatismus: Ich war jung, hatte wenig Geld, also reiste ich zu Fuß und per Anhalter, flog so wenig wie möglich. Diese Art, unterwegs zu sein, war günstig und spontan. Nach meinem Studium kehrte ich heim und fragte mich: Kann ich auch zu Hause frei sein und Abenteuer erleben? 

 


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 3/2020

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