MISSION SUDAN

Erstellt am Jun 4, 2016
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MissionSudan

Das Nördliche Breitmaulnashorn ist so gut wie ausgestorben. Weltweit gibt es nur noch drei Exemplare. Einige deutsche Forscher und Wissenschaftler versuchen, die Spezies doch noch zu retten.

Text: Laslo Seyda

Mit einer Taschenlampe weist Armin Püttger-Conradt den Weg durch den dunklen Flur. Schwere Decken hängen vor den einfach verglasten Fenstern. Hinter der Treppe, in einem engen Korridor, deutet er mit dem Lichtkegel auf die Bilderrahmen. Eine Galerie mit Fotos und selbst erstellten Infotafeln. Rüdiger Nehberg ist zu sehen, Carl Rathjens, Wilhelm Möller, dazu Boris Culik, Sophie Wörishöffer und viele mehr. Alle aus Schleswig-Holstein, wie der Hausherr. Forscher, Entdecker, Literaten, allesamt Kämpfer für die Natur. Ein Rahmen, ganz rechts, ist noch frei. »Den habe ich für mich reserviert.«

Auch Püttger-Conradt kämpft. Seit über dreißig Jahren versucht er, die Nördlichen Breitmaulnashörner vor dem Aussterben zu retten. Der Bulle Sudan und die Weibchen Najin und Fatu sind die drei letzten Exemplare ihrer Art. Sie sind zu Symbolen geworden. Für die Habgier der Menschen. Für die Ignoranz der Politik. Und für das Versagen des Artenschutzes.

Die Nashörner leben im Wildreservat Ol Pejeta, gut drei Stunden nördlich von Nairobi, auf einem kahlen Stück Savanne, keine sechs Quadratkilometer groß, mit nichts als Sand und Staub und ein paar vertrockneten Grashalmen. Sie sind umgeben von Starkstromzäunen und Wachtürmen, von Scheinwerfern und Videokameras, Nachtsichtgeräten und automatischen Waffen. Dorthin, wo das saftige Grün von Ostafrika wuchert, zu den Ausläufern des Aberdare-Gebirges und dem Fuß des schneebedeckten Mount Kenia, dürfen sie nicht. Die Freiheit wäre tödlich für sie.

Vor 35.000 Jahren wurde das Nördliche Breitmaulnashorn durch die Ausbreitung der Kongo-Urwälder von seinen südlichen Artgenossen getrennt. Als der Brite Percy Powell-Cotton im Jahr 1900 erstmals auf die Tiere stieß, weideten sie noch zu Tausenden in Zentralafrika, ihr hellgrauer Panzer schimmerte weiß in der Sonne der Savanne. Aber mit den Entdeckern kamen die Großwildjäger. Und der Tod. Um die gefährdeten Bestände zu schützen, gründete die belgische Kolonialregierung im Kongo 1938 den Garamba Nationalpark.

Lange glaubte man die Tiere in Sicherheit. Bis Anfang der 1980er Jahre Rebellen aus dem Südsudan in den Nationalpark eindrangen. In Jeeps jagten sie die Tiere über die Steppe, durchlöcherten sie mit den Bordgeschützen ihrer Kampfflugzeuge oder sprengten sie mit Handgranaten in die Luft. Die Beute, das wertvolle Horn, tauschten sie gegen Waffen und Munition für den Kampf gegen den arabischen Norden.

Armin Püttger-Conradt war der Erste, der auf die dramatische Situation der Nördlichen Breitmaulnashörner aufmerksam machte. Ihr Erbe verwaltet der gebürtige Elmshorner in seinem verwitterten Fachwerkhaus im Wendland, in einem Raum hinter der Küche. Wände, bis unter die Decke zugestellt mit Diakästen. Büchertürme, sortiert nach Ländern und Kontinenten. Regale mit schiefen Brettern, vollgestopft mit ganzen Jahrgängen an Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Publikationen. Auf dem Schreibtisch liegen vollgekritzelte Notizzettel, ein Fernglas, eine Packung Zigarillos, daneben steht eine japanische Teekanne aus Porzellan.

Püttger-Conradt zeigt die vergilbten Zeitungsartikel und Fotos, die er auf dem Fußboden ausgebreitet hat. Im Jahr 1981 paddelt der 23jährige Student den Kongostrom entlang. Im Auftrag eines Forschungsmuseums soll er Schnecken, Frösche und Echsen sammeln. 4.000 Kilometer legt er im Einbaum zurück. Bei einem Abstecher stößt er auf die Spuren des Massakers im Garamba Nationalpark. »Die Nashörner lagen aufgedunsen in der Savanne, ihre Beine ragten in den Himmel«, schreibt er später auf. »Hunderte Kadaver, die unter afrikanischer Sonne verrotteten.«

Zurück in Deutschland informiert er die großen Umweltorganisationen. Niemand will ihm glauben.[…]

Den kompletten Text “Mission Sudan” findest du in der Ausgabe 03/16 – Erscheinungsdatum: 09.06.16.
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