Versandkostenfrei bestellen
bestellen » FMW Jahresabo für 23,20 € bestellen »

MEER GEHT NICHT

Die Idee der Wassersportart »Seatrekking« ist so simpel wie faszinierend: Es ist eine Art Wandern im Wasser mit minimalem Gepäck. Freitauchen, schnorcheln und, wenn’s sein muss, auch mal auf dem Meer übernachten. Fotograf Thilo Brunner kam dabei gehörig ins Schwimmen

Wanderung im Wasser

TEXT + FOTOS Thilo Brunner

Während ich auf meiner Isomatte den kroatischen Sternenhimmel über mir betrachte, weil ich nicht einschlafen kann, gluckert und plätschert irgendetwas unter mir zunehmend beunruhigender. Meine Matte schaukelt leicht. Ich weiß nicht, was sich da gerade unter mir bewegt. Und um mich herum kann ich in der Dunkelheit auch nicht weiter als zwei, drei Meter sehen. Es ist furchterregend, aber nicht ohne Reiz: So muss sich ein Astronaut fühlen, der schwerelos im All schwebt. Stellen Sie sich George Clooney in »Gravity« vor. Das bin ich in diesem Moment, nur nicht ganz so gut aussehend. Alles, was ich weiß, ist: Mir kann im Grunde nichts passieren. Alles, was ich fühle, ist: Hier draußen kann alles passieren. Ist das jetzt die grenzenlose Freiheit, nach der ich hier im Wasser gesucht habe, oder einfach nur die dunkle Seite des Übermuts? Ich nehme an, das ist die Frage, die einen früher oder später immer umtreiben wird, wenn man sich freiwillig einer so ungewöhnlichen wie extremen Erfahrung in der Natur aussetzt. Aber jetzt muss ich erst einmal einschlafen.

Das, was wir da gerade in Kroatien tun, klingt zunächst harmlos und ungefährlich. Jedenfalls wenn Bernhard Wache, 45, beseelt und begeistert darüber spricht, der nicht nur Seatrekking-Trails im Mittelmeerraum und in Asien anbietet, sondern diese Grenzvariante aus Sport und maritimer Selbsterfahrung selbst erfunden haben will:
»Seatrekking bedeutet das Abenteuer des absolut freien Reisens entlang der Küste zu Wasser und zu Land«, sagt er, »die einmalige Verbindung zur Natur, die man erlebt, wenn man so intensiv für eine Zeit lang dort draußen lebt.« Mit dort draußen meint Wache das Meer, und er schwärmt von nichts anderem als bedingungsloser Stromerei auf dem Wasser, ohne Boot, ohne die Möglichkeit, am Abend auf einen Campingplatz oder in ein Hotel zurückkehren zu können. Immer draußen bleiben, tauchen, schwimen, schnorcheln auf und im Wasser, über Tage, lange Strecken.
Aus diesem Grund bin ich vor einigen Tagen auf die Insel Cres in Kroatien gereist, wo Wache eine Art Basiscamp für sich, sein Team und Abenteurer wie mich aufgebaut hat. Von hier aus bietet er Seatrekking-Touren über mehrere Tage und Schnupperkurse für Beginner an. Cres liegt genau zwischen der istrischen Halbinsel und der Insel Krk im Osten, ein reizvolles Gebiet für Seatrekker, weil hier gleich mehrere Routen möglich sind. Die große Bucht vor Cres müssten wir auf einer Diagonalen durchqueren, nach Istrien sind es allein 16 Kilometer – unsere favorisierte Route. Inklusive eines leicht variablen Rückwegs reden wir über 29 Kilometer, die wir im Wasser schwimmen wollen. Ohne Landgang, mit Nächten auf dem Meer. Das ist nicht die einzige Schwierigkeit. Auf unserer favorisierten Route verkehren Fähren – für Schwimmer nicht ungefährlich. Zu leicht werden sie übersehen. Zudem befindet sich nördlich von uns eine hügelige Küstenlandschaft, die als unberechenbare Wetterküche der gesamten Region gilt: Wer die rauen …


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 2/2018

FREE MEN'S WORLD abonnieren für 23,20 €

Mehr Abenteuer gewünscht? Hier sind weitere Artikel

Weitere Ausgaben nach deinem Geschmack