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LOCKER, FLOCKIG

Bergschulter vor und platt über die Piste. So geht Skifahren auch. Aber hart durchs Weiche ist viel schöner. Eine Ode an den Tiefschnee

Eine Liebeserklärung an den Tiefschnee

Text: Michael Schophaus

Das erste Weiß unter meinen Brettern war ein Flokatiteppich. Ich freute mich wie ein Schneekönig über die neuen Skier und stieß mich auf ihnen durchs Wohnzimmer. Dabei ärgerte ich meine Schwester und säbelte ihrer Puppe mit den scharfen Kanten das süße Köpfchen ab. Sie schrie bis zum Würgereiz und wünschte mich am Heiligen Abend zum Teufel. Auch meine Eltern schienen nicht amüsiert darüber zu sein, dass ich bei geöffnetem Kühlschrank den Stockeinsatz übte und unsere Kellertreppe zur schwarzen Piste erklärte. Auch danach lief meine Karriere als Skirennläufer eher schleppend. Kein Wunder, wenn man aus Bottrop kommt und sich richtig die Kante geben will. Auf dem Steilhang unserer Autobahnbrücke lag oft nur so eine traurige feuchte Pampe, die man kaum als Schnee bezeichnen konnte; sie fiel hastig vom Himmel und war schnell wieder verschwunden. Die ersten Berge erlebte ich im Sauerland, aber auch da ließ sich der Winter eher lumpen, weil Frau Holle zu oft an Schüttellähmung litt. Der Schnee war irgendwie glatt. Irgendwie nass. Irgendwie trostlos. Genauso gut hätte ich mir die Unterlage aus dem Eisfach kratzen können. Erst viele Jahre später erlebte ich, dass Schnee mehr als nur gefrorenes Wasser ist.

Es war an einem sonnigen Morgen auf der Corviglia in Sankt Moritz. Ich wollte mittlerweile Skilehrer werden und fühlte mich unbesiegbar. Hieß Markus Wasmeier, mindestens. Weil ich so Dinge wie parallele Ausgleichstechnik, Stemmbogen und taloffene Schwungeinleitung beherrschte. Doch jetzt stand ich mit wackligen Beinen in einem tief verschneiten Hang und schaute auf ein schlecht gemachtes Bett mit dicken Kissen herab. Das weiße Laken flatterte im Wind und lag zerknittert über der steilen Abfahrt. Es half nichts. Ich musste durch den Tiefschnee, unten wartete mein Prüfer, ich holte Luft und stieß mich ab. Dann gab es keine Ausreden mehr. Ich taumelte in ein Meer aus kalter Watte, schwebte wie auf Wolken und fühlte mich leicht. Bottrop war ganz weit weg. Über der Schneedecke rieselte windverwehter Zucker, die weiße Welt war sanft und leise, ich flüsterte mich glücklich den Berg hinab. [...]

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 4/14

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