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KANADISCHE KANTATE

Davon träumen Abenteurer: Im Kanu durch den Morgennebel gleiten. Hinaus auf den spiegelglatten See in die raumgreifende Wildnis Ontarios. Und das Paddel spielt die Musik dazu...

Abenteuerklassiker im Wabakimi-Park

Text: Laslo Seyda | Fotos: Aaron Vincent Elkaim

Das Letzte, was wir vor der Einsamkeit hören, ist ohrenbetäubender Lärm. Dieses Fauchen und metallene Knattern einer alten Propellermaschine. Die DHC-3 Otter lässt wenige Meter hinter uns ihre Motoren anspringen, rauscht über das Wasser, presst es unter ihren Kufen zur Seite, steigt dann behäbig in die Luft. Wir sehen ihr nach, wenig später ist sie am Himmel verschwunden. Ihr Dröhnen ist noch einige Minuten zu hören. Der Sound der Zivilisation verebbt. Dann schluckt uns die tiefe Stille des Sees. Wir beginnen zu paddeln, zwei winzige Kanus auf dem riesigen Granite Lake. Weit weg von der lauten Wichtigkeit der Städte. Nur das Gurgeln unter uns, als wir die Paddel einstechen. An Bord ein paar Karten, ein Kompass, ein paar wasserfeste Seesäcke mit Verpflegung und Zelten und einem Satellitentelefon. Das Handy, selbst auf dem entlegensten Gletscher der Welt einsatzfähig, hat hier keinen Empfang.

40 Meilen hat uns das Flugzeug von Armstrong aus in die Wildnis getragen und meine Gefährten und mich auf dem See ausgespuckt. Mitten im Wabakimi Provincial Park, der tief im Nordwesten von Ontario liegt. Mit seinen zwei Millionen Hektar ist das »Land des glänzenden Wassers« das größte zusammenhängende Paddelrevier der Welt. Über 2.000 Kilometer ziehen sich die Kanurouten durch die weiten Wälder. Verbunden sind sie durch Hunderte sogenannte Portages – Pfade, auf denen Boote und Gepäck getragen werden müssen.

Im letzten Jahr haben sich nur 700 Besucher in das weitläufige Labyrinth aus Seen und Flüssen, Buchten und Schären, engen Passagen und kleinen Wasserfällen gewagt. Jetzt soll uns unser Guide Michael Hyer durch die kanadische Wasserwelt führen, fünf Tage lang, zusammen mit seiner Freundin Liz Woodside. Michael ist gerade mal 20 Jahre alt, studiert Umweltmanagement und Politik und ist Mitglied der Grünen Partei. In den Semesterferien verdient er sich sein Geld mit dem Pflanzen von Bäumen. Ein echter Naturbursche. Narben überziehen seine Hände, Arme, den Rücken und die Beine. Wunden von Angelhaken, Messern, spitzen Felsen und abgebrochenen Ästen. Unübersehbare Beweise dafür, wie die Natur ihn geprüft hat.

Den Wabakimi Provincial Park kennt er wie seine Westentasche, er ist fast so was wie sein persönlicher Spielplatz. Mit elf Jahren ging er hier auf seine erste eigene Paddeltour. Sein Vater Bruce Hyer, selbst seit über 30 Jahren Kanuguide, hatte ihn damals losgeschickt. Ohne Wissen der Mutter, die fast durchgedreht ist vor Angst. Hoffentlich ohne Grund, denke ich. Und wenn schon, zurück können wir sowieso nicht mehr...

Die Luft ist frisch gewaschen, letzte Nacht hat es geregnet. Um uns herum nichts als Wasser. Der Himmel ist wolkenverhangen, ein starker Wind bläst uns ins Gesicht. »Okay, guys, jetzt müsst ihr kräftig durchziehen«, ruft Michael vom vorderen Ende des Kanus. Während ich unbeholfen im Wasser stochere, taucht er sein Paddel sanft ein, wirbelt bei jedem Zug zwei kleine Strudel auf und zieht mit der gebogenen Schneide feine Linien durch die Oberfläche. [...]

 

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 03/15 

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