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JURASSIC!

Dichter Dschungel, eisige Gletscher, verwunschene Wälder – Ugandas Mondberge an der Grenze zum Kongo bieten bizarre Landschaften und die üppigste Vegetation des Planeten. Wer sie erleben will, muss sich allerdings warm anziehen.

Hiking in Ugandas Mondbergen

Text: Günter Kast Fotos: Espen Eichhöfer

Es ist nur eine Metalltafel. Doch was darauf zu lesen steht, rührt uns beinahe zu Tränen: »Welcome to Margherita Peak, 5109 m, the highest point in Uganda.« Geschafft, wir stehen auf dem Dach des Ruwenzori! Und für einen Moment reißt es sogar auf. Wir blicken hinab auf das endlose, dichte Grün des Kongobeckens, »das Herz der Finsternis« aus Joseph Conrads berühmtem Roman. Doch in der nächsten Sekunde jagen schon wieder düstere Wolken heran. Nebel hüllt uns ein. Und sämtliche Euphorie ist verflogen. Da ist nur bleischwere Müdigkeit. Wir denken an die vielleicht bekannteste Stelle aus Conrads Erzählung: »Das Grauen! Das Grauen!«

In unserem Fall ist das Grauen: der bevorstehende Abstieg über einen steilen, spaltenreichen Gletscher und vereiste Felsen. In einem Wetter, das einem epileptischen Anfall der Natur gleicht. Eine Woche zuvor: Ankunft in Entebbe, Ugandas internationalem Flughafen nahe der Hauptstadt Kampala. Im Botanischen Garten am Viktoriasee haben sie damals Tarzan mit Johnny Weissmuller gedreht. Und 1976 landeten hier Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, Mitglieder der linksextremen Roten Zellen. Zusammen mit zwei PLO-Terroristen hatten sie eine Air-France-Maschine mit mehr als hundert Passagieren gekapert, darunter zahlreiche Israelis. Sechs Tage später waren die Geiseln frei und die Terroristen tot, befreit von einer israelischen Kommandoeinheit.


Entebbe sollte man jedenfalls möglichst schnell den Rücken kehren, denn die Sümpfe am See sind eine Brutstation für Malariamücken. Am nächsten Morgen, in Kilembe am Fuß des Ruwenzori im Westen Ugandas, ist die Luft bereits frischer, klarer. Träger wuchten sich 25-Kilo-Lasten auf den Rücken. Fotograf Espen und ich, die »Muzungus«, die Weißen, begnügen uns mit einem leichten Tagesrucksack. Ein schlechtes Gewissen haben wir nicht. Schließlich schaffen wir so Jobs, was in einem Land mit siebzig Prozent Arbeitslosen keine schlechte Idee sein kann. Dann gehen wir los, vorbei an bunt gekleideten Frauen, die Töpfe auf dem Kopf balancieren, an Männern, die herumsitzen und uns anstarren, als wollten sie sagen: Warum wollt ihr da hinauf?

Nach ihrem Selbstverständnis sind die hier lebenden Bakonjo die Einzigen, die den Ruwenzori besteigen dürfen. Natürlich nur die Männer. Ziehen die Weibsleute los, bringt das Unglück, und sie können keine Kinder mehr bekommen. Dennoch arbeiten Frauen inzwischen als Guides und Träger. Sie tragen schwerste Lasten, pfeifen und singen dabei. Nach Feierabend sitzen sie zusammen und trommeln, zur Not auch auf Plastikeimern. (...)

Den kompletten Artikel "Jurassic!" findest du in der Ausgabe 01/17.

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