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Im Wildwasser des Mano River

Der Mano River in Liberia verspricht mit seinen Stromschnellen und Wasserfällen ein großes Abenteuer. Zwei Brüder aus Bayern stürzen sich mit dem Kajak in die Fluten, die sie durch unzugänglichen Primärurwald und extrem dünn besiedelte Gebiete führen.

TEXT: Hayo Wolfram, FOTOS: Hayo und Marcus Wolfram, Arild Skedsmo

Als Nachtlager haben wir uns eine kleine sandige Insel inmitten des Mano River ausgeguckt, umgeben vom tropischen Regenwald Liberias. Überschwänglich toben wir die Sandbänke auf und ab, springen ins warme Wasser des Flusses und verfolgen die frischen Spuren eines Zwergflusspferds. Am zweiten Tag sind wir nun im ersehnten menschenleeren Teil des Landes angekommen. Denken wir. Wie aus dem Nichts stehen plötzlich zwei bewaffnete junge Männer neben unseren Hängematten. Der eine mit einer Machete, der andere mit einem alten Jagdgewehr. »How are you?«, frage ich verwirrt. »No good. Cause you are here«, antwortet der Typ mit dem Jagdgewehr. »What’s your mission?«, will er wissen.

Für zwei Kerle aus der Gegend ist unvorstellbar, dass jemand eine gefährliche Kajakfahrt nur aus Spaß unternimmt und nicht auf der Jagd ist nach Diamanten, Gold, Holz oder Tieren. Aber genau so ist es. Mein Bruder Marcus und ich setzen eine Idee um, die ihren Ursprung in unserer Kindheit hat. Wir lebten mit unseren Eltern in Liberia, wo mein Vater in den Sechzigerjahren eine Baufirma gegründet hatte. Nach dem ersten großen Aufstand 1980 verließen wir das Land. Schon unsere Eltern waren damals auf küstennahen Flüssen unterwegs, und unser Vater hatte jahrelang versucht, uns zu einer Kajaktour zu überreden.

Nun war es so weit. Für den 320 Kilometer langen Mano River haben wir uns entschieden, weil er im Gegensatz zu den beiden anderen großen Flüssen im Nord­westen des Landes mehr Wildwasserpassagen enthält und weil er das größere Abenteuer versprach: Er fließt überwiegend durch unzugänglichen Primärurwald und ist extrem dünn besiedelt. Zum Expeditionsteam gehört außerdem der Norweger Arild, den wir während der Reiseplanungen zufällig kennengelernt haben. Er arbeitet für ein Klimaschutzprogramm der norwegischen Regie­ rung zur Rettung des Regenwalds. Arild ist für Liberia verantwort­lich, paddelt aber mit uns rein privat durch den Dschungel. 

Die beiden Männer verlangen nach unserem Permit zur Durchquerung des Regenwalds. Dann kommen sie zum eigent­lichen Punkt: »What do you have for me?«, fragt der Kerl mit dem Jagdgewehr, während der andere mit seiner Machete in unserem Gepäck rumstochert. Arild drückt ihm einen Geldschein in die Hand, dann verschwinden die beiden wortlos und grimmig im Busch. »Wie,viel hast du ihm gegeben?« – »100 Liberian Dollar.« Gerade mal 60 Cent ... Egal. Die erste brenzlige Situation endet zwar glimpflich, aber so ein diffuses Gefühl der Unsicherheit lässt uns auf unserer weiteren Reise nie mehr ganz los. Wir entfachen ein Lagerfeuer. Für die Seele und zum Schutz gegen die echten wilden Tiere da draußen. Wenn wir die Taschenlampen über den Fluss gleiten lassen, tauchen hier und da die Augen von Krokodilen auf. 

Zwei Jahre lang haben Marcus und ich uns auf die Reise vorbereitet. Wobei viele Faktoren der Planung schwammig blieben. Wie schwierig sind die Stromschnellen? Wie gefährlich die Wasser­ fälle? Wie viele Passagen müssen wir umtragen? Hält die Ausrüstung? Was, wenn jemand ernsthaft erkrankt oder sich verletzt? Wie harm­los sind die Krokodile wirklich? Und es ist nun mal Liberia, siebt­ärmstes Land der Welt, das wie kaum ein anderes mit Parasiten und Krankheiten gesegnet ist. 

 


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 3/2020

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