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GLEISSENDER RAUSCH

Das Schaben der Kanten, die Schroffheit der Felsen, die Präsenz des Abgrunds. Wer mit Skiern auf dem Rücken bis zu 1700 Meter hohe Berge erklimmt, braucht nicht nur starke Nerven. Er muss auch schwindelfrei abfahren können

Skibergsteigen in Norwegen

TEXT + FOTOS: FELIX WÖLK


Eine polare Front hat die Bergflanken des Trolltind mit Neuschnee bedeckt. Darunter ein Panzer aus Firn- und Eiskristallen. Unter unseren Skispitzen erstreckt sich das Walhalla der Freerider. Johannes prüft den Sitz seines Lawinenrucksacks. Eine überhängende Schneewechte ist seine Startrampe. Acht Meter tiefer besteht die Welt aus Pulver. Als Skispringer ist er Abgründe gewohnt, er segelt als Erster in das weiße Gold. Eine Staubwolke verschluckt ihn, bevor er mit seinen breiten Tiefschneelatten einen Riesenzopf in den Schnee flicht. Die Abfahrt ist ein gleißend-glitzernder Rausch, der am Ende einer harten Woche steht. Die bergsteigerische Wahrheit im norwegischen Spätwinter sieht anders aus: mühseliger, verwegener, ehrlicher.


Die achtstündige Autofahrt von Oslo steckt mir noch in den Lendenwirbeln. Um wenige Kilometer Luftlinie zu schaffen, müssen Fjorde in endloser Kurverei umfahren werden. Zwischendurch gibt es an der Tanke »PØlse i brØd« – einen Hotdog mit kleisterartigen Zutaten, der einen penetranten Nachgeschmack hinterlässt. Ich brauche Bewegung. Ab morgen wird mir das nicht fehlen: Die »Powder Gang«, in die ich hier geraten bin, besteht aus professionellen Konditionsbolzen. Einer von ihnen ist Johannes Rydzek aus Oberstdorf, der amtierende Doppelweltmeister der nordischen Kombinierer.
Es ist März, und die Risse in der Eisdecke am schattigen Nordufer des Eikesdalsees könnte man fast als Vorboten des Sommers werten.

Ann-Kristin Vike zeigt uns das kleine Paradies, das wir eine Woche lang bewohnen werden: eine kaum 30 Quadratmeter große Holzhütte, mit dauerfrostresistenter Dachbepflanzung und einem Elchgeweih über der Stubentür. Knut, ihr Ehemann, versorgt uns mit allem, was er für ein Skitourenabenteuer in Westnorwegen für unentbehrlich hält: Angelhaken, Motorbootbenzin und topografische Karten. Knut und Ann-Kristin wohnen im zweiten Haus der »Ortschaft« Vike. Sie sind die einzigen Menschen, die ganzjährig am Eikesdalsee leben. Für sie ist die Einsamkeit, die wir hier suchen, Alltag.


Vor dem ersten Gipfelsturm checken wir unsere Ausrüstung. Jeder von uns hat seine eigene Philosophie. Ich setze auf Vielseitigkeit, absoluten Verlass und einen Hauch Nostalgie: Mit 160 Zentimeter Länge sind meine Skier 20 Zentimeter kürzer als ich selbst. Kurz genug, um, am Rucksack befestigt, beim Klettern wenig zu stören, und lang genug, um die Last meines Körpers auf Schneebrücken über Gletscherspalten zu verteilen. Die Skibindung ist meine Lebensversicherung. Eine ungewollte Fehlauslösung kann in steilem Gelände verheerend enden. Ich schwöre auf ein solides, eher schweres Modell. Vor Passagen, die keinen Sturz erlauben, kann ich das Auslösesystem felsenfest verriegeln. Wie viel Kraft mich der Aufstieg mit diesem »Klumpen« am Fuß kostet? Keine Ahnung. (...)

 


Den kompletten Artikel findest Du in Ausgabe 1/17

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