GEISTERSTUNDE IM DSCHUNGEL

Erstellt am Nov 28, 2016
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MissionSudan

Im hintersten Winkel von Laos lockt der Nam Ou mit abgeschiedenen Wasserwegen, Wald und Wildnis, aber auch mit überraschenden Eindrücken und unheimlichen Begegnungen. Mit dem Kanu unterwegs durch eine Landschaft, die sich so schnell verändert wie der Fluss

Text: Philipp Baar Fotos: Adam Birkan

In diesem Fluss wohnt ein Geist. Er ist Älter als die Täler, durch die er rauscht, älter als die Pflanzen,
die an ihm wachsen, und die Fische, die in ihm atmen. Der Geist ist nicht nur alt, er ist auch mächtig, erzählen die Menschen, die an seinen Wassern leben. Bleibt die Frage, ob er ein guter oder ein böser Geist ist. Antwort: mal so, mal so.
Manchmal gibt er, manchmal nimmt er. Und wie, bitte schön, ist er eigentlich Kajaktouren gegenüber
eingestellt?
Muang Khua, eine Kleinstadt im Norden von Laos: ein niedlicher Markt, ein paar Gasthäuser, ein einsames Hotel aus Kolonialzeiten. Der letzte ernsthafte Ort am Nam Ou, bevor der Fluss sich durch den laotischen Bergdschungel windet. Zum
letzten Mal Asphalt unter den Schlappen, bevor es mit den Kajaks losgeht. Für die nächsten hundert Kilometer gibt es nur Wasser, Wald und winzige Dörfer. Keine Strassen, sondern Dschungelpfade, das Rauschen des Flusses, Ruhe und Abgeschiedenheit.
Am Ufer zieht dichter Wald auf sattgrünen, Tausende Meter hohen BerghaÅNngen vorbei, auf denen kein Baum dem anderen gleicht. Das Ganze wird akustisch untermalt von Vogelgezwitscher und dem niemals aufhörenden Summen der Insekten im Hintergrund – dem Sound der Wildnis. Idylle? Sicherlich, bis hinter einer Windung eine vietnamesische Goldförderplattform aus dem Wasser ragt. Unter riesigem Krach werden Sand und Steine vom Grund gehoben, gewaschen, gefiltert, nach Gold durchsucht und dann wieder
versenkt. Hat der Flussgeist einen leichten Schlaf? Dann sollte er sich nach einer neuen Bleibe umsehen. Zumindest die am Rand dösenden Wasserbüffel scheint der Lärm nicht zu stören. Träge schmatzend blicken sie den vorbeitreibenden Kajaks nach, die wieder vom ringsum kilometerweit vibrierenden Dschungel geschluckt werden. Der Nam Ou bietet die richtige Mischung aus Ausdauereinheiten bei mässiger Strömung und wilderem Wasser, damit es nicht langweilig…

Den kompletten Artikel “Geisterstunde im Dschungel” findest du in der Ausgabe 04/16 – Erscheinungsdatum: 01.12.16.
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