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FELSENFEST

In Utahs Wüste hat die Natur ihre schönsten Launen in Stein gemeißelt. Ein heißes Pflaster für Mountainbiker, die auf den Trails und steilen Pisten nichts anbrennen lassen...

Mountainbiken in der Wüste Utahs

Text: Holger Meyer | Fotos: Whit Richardson

Es ist heiß. Die Sonne brennt so stark, dass die Leute Wettbewerbe darin veranstalten, wer die schönsten Spiegeleier auf seiner Kühlerhaube brät. Sie tun das wirklich, die Amerikaner, hier draußen im Südwesten. Eier auf ihren Autos zerschlagen.

Mittagszeit. In den Tälern fühlt es sich an wie in einem Umluftbackofen. Weit und breit kein Wasser. Wir blicken auf eine Millionen Jahre alte Steinwelt, felsige Skulpturen in einer orangefarbenen Wüste. Überall türmt sich Sandstein auf, geformt zu Rundungen, mächtigen Rippen, Bögen, Brücken, Kathedralen. Ich trinke vorsichtig. Hoffentlich ist in der Trinkblase im Rucksack noch genügend Wasser.
Vor dem Lenker zieht sich der Trail durch die Hitze, kein Ende in Sicht. Wir folgen weißen Markierungen, die auf die Steine gepinselt sind, um den Weg aus dem Labyrinth zu weisen. Zu viert sind wir unterwegs: Karen, Rob, Markus und ich. Vier deutsche Bergradler auf acht Reifen. Mit unseren Bikes wollen wir in den nächsten Tagen erkunden, ob der Mormonenstaat Utah hält, was er verspricht – das spektakulärste Mountainbikerevier der Welt zu sein. Ein Terrain voller slickrocks, downhills und single trails. Zu Deutsch: glatt gewaschene Felsbuckel, Abfahrten und schmale Pfade. Pisten für heiße Reifen, im Wortsinn. Die Strecke zieht sich bergauf, eine Rampe in den Himmel. Wir fahren den Slickrock Trail vor den Toren Moabs. Karen, eine versierte Bikerin, arbeitet sich vor mir hoch, lenkt ihr Rad auf ein schmales Plateau. Die gesamte Strecke ist kurz, nur fünfzehn Meilen. Aber einige dieser Meilen sind Wadenbeißer, Schenkelkiller. Steil hoch, steil runter. Darin liegt die Herausforderung – und die Faszination. Denn auch der Untergrund, auf dem wir fahren, besteht aus Sandstein: vor zigtausend Jahren versteinerte Sanddünen, die von Wind und Wasser abgetragen und feingeschliffen wurden. Und dieser slickrock bietet den weichen Stollenreifen so guten Halt, als rollte man über grobes Schleifpapier. Der Reifen klebt förmlich am Stein. Das Rollgeräusch hört sich an, als risse man einen Klettverschluss auf. Man hat das Gefühl, senkrechte Wände hinauffahren zu können. Aber wehe, du verlierst die Nerven. Dann trennst du dich ungewollt von deinem Sportgerät. Dann reißt dir der schleifpapierscharfe Boden die Tapete von Armen und Beinen.

Abends. Es ist kalt. Nach der ersten Tagestour stehen wir in einem dieser amerikanischen Supermärkte und halten unsere Unterarme in eine der pompösen Tiefkühltruhen. Eisiger Dampf umnebelt uns, wir starren auf tiefgefrorene Pizzas, Scampi, Burger. Die Kälte tut gut, lindert den Sonnenbrand auf den Armen. Wir kaufen noch ein paar Sachen zum Essen ein, wollen mit unserem Camper an einen stillen Ort fahren, zum Grillen und Ausruhen. Auf der Fahrt kommen wir durch Moab. Vier Buchstaben, die Kult für jeden Biker sind... [...]

WÜSTE ALS REVIER

Der kleine Ort Moab ist das Tor zu den Bikepisten in Utah, die manche für die spektakulärsten der Welt halten. In Moab gibt es Unterkünfte, Bikeshops und Restaurants. An beiden Ufern des Colorado River liegen Routen für jeden Geschmack. Beste Abfahrt ist »The Whole Enchilada«, Anfänger sammeln auf dem Slickrock Trail erste Erfahrung auf Sandstein. Weitere Klassiker: der Poison Spider Trail, Porcupine Rim, Thunder Mountain Trail und Gooseberry Mesa. In den Nationalparks darf man nicht abseits der Straßen fahren, ansonsten gilt: Bahn frei für Entdecker auf zwei Reifen. www.discovermoab.com

INFOS

- Anreise: Flug nach Salt Lake City oder Las Vegas, von dort fährt man mit dem Mietwagen ca. drei Stunden bis Moab.
- MTB-Reisen: Mountainbiking Utah ist spezialisiert auf die Region und veranstaltet jedes Jahr MTB-Reisen in den Südwesten der USA. Täglich wird mit maximal 6 Leuten bis zu 6 Stunden lang gefahren – immer auf den schönsten Trails rund um Moab. Reisen im Frühling und Herbst.
- Kosten: 14 Tage rund 3.600 $ mit Guide, Gepäcktransfers und Übernachtung (ohne Flug), Miet-Bikes ca. 350 $ / Woche.
- Weitere Infos: www.mountainbiking-utah.de  

 

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