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Fatbiking zum Magic Bus

Auf der Suche nach authentischen Erlebnissen - das ist die Geschichte des Chris McCandless in "Into the Wild". Der darin vorkommende und ebenso legendäre verlassene Bus gilt als Wallfahrtsort für Abenteurer und Aussteiger - ein Nachruf.

TEXT: Tom Moran, FOTOS: Tom Moran, Jay Cable

Für einen Ort, der mit einer Tragödie verbunden ist, macht der Stampede Trail einen Mordsspaß. An diesem Januartag fahren Jay und ich Fatbikes, obwohl wir sie kaum brauchen: Der spärliche Schnee auf dem Pfad ist so kompakt, dass wir genauso gut auf einem Bürgersteig radeln könnten. Die Morgendämmerung streift den grauen Himmel im Süden, während Jay und ich durch dieich durch die nördlichen Ausläufer der Alaskakette gen Westen strampeln. Der Trail schlängelt sich zuerst als Schotterpiste zwischen Schwarzfichten und braunen Grasklumpen hindurch. Er ist gesichtslos, still, kaum unterscheidbar von hundert anderen Winterstrecken, die Alaskas Wildnis durch- ziehen. Doch dies ist der Stampede.

Ungefähr dreißig Kilometer von hier ruht ein rostender Bus der Marke International Harvester, der sich – unglaublich, aber wahr – in einen Wallfahrtsort an der Last Frontier verwandelt hat. Wir sind unterwegs zum »Fairbanks 142«, auch »Magic Bus« genannt. Die oft beschriebene Lauf- bahn von Chris McCandless ist tief im kollektiven Gedächtnis verankert und für viele von uns ein Teil unserer Hochschullektüre gewesen. Für diejenigen, die nicht mit der Geschichte vertraut sind:

McCandless driftete zwei Jahre lang durch den amerikanischen Westen, auf der Flucht vor seiner gutbürgerlich-privilegierten Herkunft, auf der Suche nach authentischen Erlebnissen. Im April 1992 stapfte der getriebene, idealistische 24-Jährige durch den Firn, der um die Jahreszeit noch den Stampede Trail bedeckt. Er trug ein Gewehr und fünf Kilo Reis, entschlossen, sich vorwiegend von der Natur zu ernähren, was ihm mit dem verlassenen Bus als Basislager auch den ganzen Sommer über gelang. Letztendlich erlag er jedoch dem Hunger, möglicherweise beschleunigt durch giftige Samen einer wilden Wurzel oder unverdauliche Pilze, je nachdem, wen man fragt. Im September entdeckten Jäger seine abgemagerte Leiche im Bus. 

Seine Geschichte wäre da zu Ende gewesen, wenn nicht der Journalist Jon Krakauer sie aufgeschrieben hätte. Erst für das »Outside«-Magazin, dann als Buch mit dem Titel »Into the Wild«. Endgültig berühmt wurde McCandless durch die gleichnamige Verfilmung von Sean Penn, mit Emile Hirsch in der Rolle des McCandless. In den Jahren danach hat sich der Stampede Trail zu einem Ziel für Hunderte, wenn nicht Tausende von Besuchern entwickelt, die sich von McCandless Wanderungen inspirieren lassen. 

Wie fast alle meine Bekannten in Alaska gehört Jay nicht dazu. Während mich sowohl das Ziel als auch die Route begeistert, ist die Rostbeule »Fairbanks City Transit System Bus 142« für Jay nur eine Nebenattraktion, ein Vorwand, an einem ungewöhnlich milden Tag mitten im Winter knapp siebzig Kilometer abzuspulen. Als wir unseren Wagen gegen acht Uhr morgens – zwei Stunden vor Sonnenaufgang – am Ende der gepflügten Piste parken, ist es schon minus zehn Grad, acht Grad über dem örtlichen Durchschnitt für Januar.« 

 


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 3/2020

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