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EIN KÖNIGREICH FÜR TRAILLÄUFER

Der Great Himalaya Trail ist die höchstgelegene Trekking-Strecke der Welt. Ein Lauf über 1864 Kilometer ist nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch eine Begegnung mit Menschen, bedroht durch Klimawandel und Zivilisation

TEXT + FOTOS: Peter Hinze

Apa Sherpa steht in der Morgensonne vor seiner Summit Lodge in Thame, putzt sich die Zähne am Brunnen mit eiskaltem Bergwasser und schaut Richtung Osten, wo in der Ferne der Mount Everest den Himmel berührt. Apa kennt den Berg, denn 21-mal stand der kleine Mann auf dem großen Gipfel in 8848 Meter Höhe. Sein  Geburtsdatum kennt der »Super Sherp«, wie sie ihn hier ehrfurchtsvoll nennen, nicht. Es stört niemanden, in den Höhen Nepals ist das Leben so oder so zu kurz. Und die Berge sind wichtiger.

An diesem frühen Morgen könnte der »vielleicht 58-Jährige« vom Himalaja und seiner Heimat Solu-Khumbu schwärmen. Doch stattdessen sagt Apa mit ruhiger Stimme und voller Überzeugung: »Die wahre Schönheit Nepals sind nicht die Berge. Es sind die Menschen, die im Schatten der Berge leben.« Niemand widerspricht. Denn nach 580 Kilometer Trailrunning durch den nepalesischen Himalaja sind auch wir längst zur Erkenntnis gekommen: Unsere Bewunderung gehört den Bewohnern, die seit Generationen den harschen Lebensbedingungen trotzen – mal mit Erfolg, mal mit dramatischer Unterlegenheit. Aber immer bedroht vom Verlust ihrer Traditionen, ihrer Kultur und ihrer Identität. Wie unwirtlich und schwierig das Leben im Himalaja sein kann, hatten wir bereits vor 29 Tagen zu Beginn unseres Abenteuers auf dem Great Himalaya Trail (GHT) erleben müssen.

Es hatte über Nacht geschneit. Nicht nur draußen auf knapp 5000 Meter Höhe. Stundenlang wehten kleine Schneekristalle auch durch das löchrige Dach des Lhonak Guesthouse. So war an einen Aufstieg zum Basecamp, dem eigentlichen Ziel des GHT, nicht zu denken. Wie so oft in den nächsten Wochen waren alle unsere Planungen plötzlich Makulatur. Gefangen in einer Landschaft aus Schnee, Wolken und Felsen, aber ohne erkennbaren Trail traten wir fast fluchtartig den mühsamen Weg ins Tal an.

Es war Robin Boustead, der vor gut zehn Jahren den GHT konzipierte. »Abgelegene Gebiete erschließen, damit nicht immer nur Solukhumbu und Annapurna vom Tourismus profitieren«, beschreibt der Australier seine Idee, die er im Auftrag einer NGO ins Leben rief. Heute folgt der GHT alten Handelsrouten, traditionellen Bergpässen, belebten Trekkingrouten und immer häufiger neugebauten Straßen. »Keine Tour gleicht der anderen, denn den einen Trail gibt es nicht«,sagt Boustead. Mal zwingt eine Gerölllawine zum Umweg, mal ein Schneeleopard, mal schwere Monsungewitter und manchmal auch ein Schneesturm. So sucht sich jeder Abenteurer seinen eigenen Trail auf dem Weg von der indischen Grenze im Osten Nepals zur Grenze ganz im Westen.

Ich hatte mir ein Team mit drei guten, einheimischen Trailläufern zusammengestellt. Jeder von ihnen trug maximal dreizehn Kilo, denn für einige Streckenabschnitte brauchten wir Zelte, Schlafsäcke, Kochgeschirr und Notfallverpflegung. Wir wollten zügig unterwegs sein. Knapp zweieinhalb Trekkingtage legten wir pro Lauftag zurück. Je nach Höhe schafften wir 25 bis 45 Kilometer mit gut 3500 Höhenmetern im Auf- und Abstieg. Wir starteten am frühen Morgen, nicht immer wie geplant gegen sieben, und suchten am Nachmittag ab 16 Uhr zumeist nach einem Bauernhaus, manchmal auch…


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 1/2019

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