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DIE ROMANTIK DER RAUCHFAHNEN

Es muss nicht immer die Loreley sein, auch diese Landschaft hat das Recht, bestaunt zu werden: zu Fuß am Rhein entlang von Duisburg nach Köln durch den schornsteingrauen November.

Die marode Schönheit des Ruhrgebiets

Text: Andreas Rolf  |  Fotos: Tinka und Frank Dietz

An der Straßenbahnhaltestelle Thyssen Tor 30 am Nordrand von Duisburg-Ruhrort wehen ein paar Blätter über die Straße. Ich gehe ihnen hinterher wie durch eine mit der Pausentaste angehaltene Welt. Kein Mensch weit und breit. Halt, doch. Da sind die blau uniformierten Wachleute des Thyssen-Kraftwerks »Hermann Wenzel« mit seinem 160 Meter hohen Schornstein. Sie grüßen freundlich aus ihrem Häuschen neben der Schranke. Zu Verrückten ist man ja aus Mitleid meistens freundlich. Denn wann stand zuletzt ein Mann im Wanderoutfit mit Rucksack an einem Sonntagmorgen im November vor ihrem Trumm von Gebäude und bestaunt einen Schornstein, selbst wenn er so hoch ist wie der Kölner Dom?

Diese Reise sollte ausdrücklich kein Abenteuer werden. Sie sollte überhaupt ausschließen, was irgendwie landschaftlich reizvoll ist, großartig, schön, überwältigend, erhaben oder exotisch. Niemand soll dich um diese Reise beneiden, war die Parole. Sie ist gewissermaßen ein Anti-Abenteuer ohne Herausforderung, bar jeder Gefährlichkeit. Eher ein Gemütstest, Deutschland so zu erleben, wie es sich den Deutschen statistisch gesehen am ehesten darbietet: asphaltgrau, neblig-trüb, zersiedelt, stark befahren, funktionierend, mit Menschen im Trott und Fahrzeugen im Transit.

Der Ausgangspunkt der Alltagsbegehung ist Duisburg mit dem Gaskraftwerk und der Rheinbrücke direkt dahinter, die in westlicher Richtung nach Duisburg-Homberg führt. Am Ende der Friedrich-Ebert-Brücke mache ich einen 45-Grad-Schwenk wie das Männchen von Google Street View. Jetzt ab in den Süden, der Himmelsrichtung der Sehnsucht für die Menschen des Nordens seit jeher. Von Duisburg aus gesehen verheißt Süden die Begegnung mit Städten wie Uerdingen, Düsseldorf, Monheim, Leverkusen, Köln-Mülheim. Allesamt klangvolle Namen in den Registern der Industrie und Handelskammern. Auf der Liste beliebter Wanderwege bringen sie es nicht mal zum Geheimtipp. War nicht die Sehnsucht nach Uerdingen immer die Sehnsucht, aus Uerdingen zu fliehen? Man wird sehen. [...]

 

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 03/15 

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