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DAS LEBEN KANN SO EINFACH SEIN

Ein Bulli, ein Ort in der Natur und möglichst wenige Regeln – der Roadtrip zu den coolsten Plätzen an Ruhr, Elbe, Havel und Unstrut erzählt vom Glück des Campen

Comeback des Campings

Es braucht ein paar Nächte, um das Leben, das man in der Großstadt führt, mal zu vergessen. Um es hinter sich zu lassen und abzutauchen in Gedanken. Da sitze ich mit dem Fotografen Ériver am Großen Wentowsee in Brandenburg. Nur ein paar Meter vom Ufer entfernt, das sich in der Dunkelheit kaum mehr von der Umgebung abhebt. Vor uns knistert ein Feuer, über uns die Sterne. Sonst ist kein Licht zu sehen und auch nichts zu hören von anderen Gästen des Campingplatzes, falls da überhaupt noch jemand ist.

»Willkommen in Kanada« hieß es, als wir am Nachmittag ankamen. Wir hielten den Spruch für einen Scherz, doch jetzt wissen wir, was gemeint ist: Einsamkeit, Freiheit und die Vorstellung, dass nicht weit von uns Wölfe durch die Natur streifen könnten. Verflucht kalt ist es in dieser Nacht Ende April, als mich plötzlich Erinnerungen an eine Reise in der Kindheit überfallen. Wie ich gerade sechs Jahre alt war und meine Eltern mit uns Kindern im Bulli nach Tunesien fuhren. Mein Vater sprach nur von einer »Fahrt ins Blaue«. Ohne genaues Ziel vor Augen, ohne präzisen Plan, immer vorwärts. Sechs Wochen lang ging es kreuz und quer durchs Land. Nachts schliefen wir im Bulli, irgendwo am Strand, am Rand eines Dorfes oder einer Oase.

Eine solche Reise war schon damals, Anfang der 80er-Jahre, in Deutschland unmöglich. Zumindest durfte man nicht einfach auf einem Platz oder in der Natur übernachten. Man musste auf Campingplätze fahren und dachte dabei sofort an Jägerzäune, Dauercamper und Hausordnungen.

Doch geht das vielleicht wieder hierzulande: einfach losziehen und an Orten bleiben, die unkompliziert sind, frei und wenigstens ein bisschen wild? Von »Cool Camping« ist zu lesen. Damit ist kein Zelturlaub bei Eiseskälte gemeint, sondern eher ein Ausflug nach dem Motto »Leben und leben lassen« – ohne große Vorschriften, dafür mit viel Freiheit. »Wir suchen Nähe zur Natur, Abenteuer am Lagerfeuer, Romantik unterm Sternenzelt ohne Hecke und Parzelle«, schreibt Autor Björn Staschen in seinem Szenebuch, das in meinem Rucksack steckt.

Vorab erzählte ich Freunden von meinem Campingtrip. »Sehr cool«, meinten sie und: »Berichte uns unbedingt.« Mir war gar nicht bewusst, wer so alles regelmäßig campen geht. Ich erhielt Tipps für gute Plätze, die richtigen Bücher, oder man lud gleich zu einem Camperforum, etwa bei Facebook, ein. Camping ist wieder angesagt. Nach den Städtetouren lockt jetzt die Natur: Seit einigen Jahren wird wieder gezeltet, von Saison zu Saison immer mehr. Bereits 2013 zählte der Deutsche Tourismusverband mehr als 26 Millionen Übernachtungen auf hiesigen Plätzen. Überall im Land – an der Küste, auf einer Hallig, in den Alpen, an Flüssen, Seen oder
einer Burg – finden sich neue Orte, wo keine starren Regeln, kein Muff, kein Spießertum regiert.

Damit breiten sich endlich wieder Räume für Freiheit aus. Von Rückeroberung ist in Artikeln die Rede, als sei ein Kulturkampf im Gange. Und wie sich im Lauf der Reise zeigt, ist das keineswegs falsch: Die neuen Plätze werden von Menschen geführt, die alles andere als einen Blockwart abgeben wollen. Sie erfinden Camping neu, stellen Jurten und Tipis auf, statten Schäferwagen samt Dusche
und Miniküche aus, oder sie bieten Großzelte mit Himmelbett und Espressomaschine an. Mit ihren Angeboten ziehen sie eine neue Szene an: sportbegeisterte Studenten, Naturburschen und Wandervögel, kulturbeflissene Familien und junge Pärchen aus den Metropolen, die nicht nur Abenteuer, sondern (…)

 

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 02/17

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