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BINGO-MOMENT DES LEBENS

Runter von der Straße, rein in den Sand. Einmal im Jahr treffen sich Adrenalin-Abenteurer zur Scram Africa, um auf alten Custom-Bikes durch das Hinterland Marokkos zu jagen. Ein wüster Trip für Mensch und Maschine.

Mit dem Motorrad durch Marokko

TEXT: JAN JOSWIG / FOTOS: GÖTZ GÖPPERT

Wir preschen im dritten Gang durch einen Sack voller Mehl, Dani und ich. Der Sandsturm hat uns mitten auf der Wüstenpiste erwischt. Ich behalte das Rücklicht von Danis Geländemaschine aus den frühen 80ern im Blick und lasse meinem kaum jüngeren Motorrad alle Freiheiten, die es auf dem losen Untergrund braucht. Vor, neben und über mir nur weißer, feinstaubiger Sand – und plötzlich auch unter mir. Die letzte Bodenwelle hat mich in die Luft katapultiert. Keine Haftung, volles Schicksal. Das ist er dann wohl, der Bingo-Moment des Lebens. Angstlust im Mehlsack. Genau für solche Augenblicke wurde die Scram Africa erfunden: zehn Tage Stock, Stein, Sand im wilden Hinterland Marokkos auf geländetauglich umgebauten Motorrädern von früher. 

Die Scram Africa ist der undomestizierte Bastard der neuen Motorradszene. Um 2010 beginnt sich eine weltweite Bewegung von Hinterhofschraubern zu konsolidieren – aus der Garage ins Rampenlicht von Facebook, Instagram und bikeexif. com, der enzyklopädischen Website der Szene. Beseelte Amateure nehmen sich alte, preisgünstige Motorräder vor und bauen die Mauerblümchen zu stolzen Unikaten im Stil der 30er- bis 60er-Jahre um, immer Steve McQueens kritischen Blick im Nacken. Als Teenager bemalte man sein Skateboard, als Jungerwachsener nutzte man das Individualisierungsangebot von Nike ID, und als ganzer Kerl modifiziert man sein Motorrad. Die Desktop-Kreativen wollen sich wieder schmutzig machen, aber mit Stil. Die Standards für die Umbauten, die Custom-Motorräder, setzen Werkstätten wie Deus Ex Machina aus Sydney, Wrenchmonkees aus Kopenhagen, Urban Motor aus Berlin – und Fuel Bespoke Motorcycles aus Barcelona.

Der ehemalige Grafikdesigner Karles Vives gründet Fuel Bespoke Motorcycles, weil er nichts findet, was seinem Traum entspricht: »Ich komme vom Land, ich wollte ein Motorrad bauen, mit dem ich über Stock und Stein fahren kann. Die Scrambler der 60er-Jahre faszinierten mich, Straßenmaschinen, an die Stollenreifen gesetzt wurden – fertig.« 2010 war die einzige neue Maschine, die sich an der Scrambler-Ästhetik orientierte, die Triumph Scrambler. Zu teuer für Vives, also nahm er das, was er kannte und schätzte, und baute es …

 

Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 3/2017

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