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Astronaut unter Wasser

Tauchen der besonderen Art: Freitauchprofi Lukas Müller und sein Bruder Marco weihen unseren Autor Florian Sturm in die Geheimnisse des Apnoetauchens ein. Und das in einem eiskalten, österreichischen Bergsee...

TEXT: Florian Sturm, FOTOS: Lukas und Marco Müller

Um mich herum nichts als Stille und grünschwarze Unendlichkeit. Eigentlich ein Moment zum Genießen, Innehalten und Staunen. Über das Wasser, das Licht, über die Schönheit des Achensees. Eigentlich. Wäre es nur nicht so atemberaubend kalt. Und wäre da vor allem nicht der Anflug von Panik, ausgelöst durch eine Mischung aus Würgereiz, Schluckreflex und Gedanken­ karussell: Wie komme ich hier wieder weg? Mein Zwerchfell kontrahiert. Meine Lungen wollen atmen. Keine Chance: Ich befinde mich fünf Meter unter der Wasseroberfläche – ohne zusätzlichen Sauerstoff. Ich zähle: sechs, sieben, acht ... Dann gleite ich zur Wasser­oberfläche und reiße den Mund auf.

»Gar nicht so schlecht für den Anfang und die schwierigen Umstände«, sagt Lukas Müller, 29, und glotzt mich dabei durch seine Taucherbrille an. Er zählt zu den erfahrensten Freitauchern Deutschlands – Sportlern, die ohne Sauerstoffflaschen oder Schnorchel tauchen und ausschließlich mit einem Atemzug aus­ kommen. Lukas arbeitet als Meeresbiologe, Tauchen ist sein Beruf. Wenn es der Job erfordert, bringt er Satellitensender an Bullenhaien an oder fotografiert die unverwechselbaren Musterungen am Bauch von Mantarochen. Mehrere Monate im Jahr verbringt er im südlichen Afrika, wo er die Migrationsrouten von Haien im und um den Bazaruto­ Nationalpark erforscht – einem Schutzgebiet vor der Küste Mosambiks.

Auch ich tummle mich gern im Wasser – nicht beruflich, sondern ganz entspannt auf dem Beckenboden im Schwimmbad. Ich habe mehrere Tauchkurse hinter mir und schnorchle für mein Leben gern. Aber richtiges Apnoetauchen? Noch nie gemacht. Als ich hörte, dass Lukas und sein Bruder Marco mit ihrem Camper auf Tauchtour durch die Alpen gehen, war ich sofort dabei. »Niemand muss für tolle Tauchurlaube nach Indonesien oder auf die Male­ diven fliegen«, ist Lukas überzeugt. Die Alpenseen seien völlig unterschätzt. Deshalb ist unser Roadtrip auch eine Scouting­ Tour: Lukas will ab 2021 Apnoe­ Expeditionen in den Alpen anbieten, dafür sucht er jetzt schon mal die passenden Spots. 

Landschaftlich fühlen wir uns auch ohne Interkontinentalflug mehr in Kanada als in Österreich: Wälder aus knarzigen Bäumen, Klippen, Wasserfälle und Gebirgsbäche, Gipfel mit Schnee und Seen zum Durchgucken. Nur Bären gibt es hier keine. Dafür läuten die Glocken der Almkühe. Dass ich mitten im Hochsommer bei Regen und aufziehendem Gewitter in das elf Grad kalte Wasser des Achensees steigen würde, damit hatte ich allerdings nicht gerech­net. Aber egal: Rotes Meer, Korallenriff und 25 Grad kann jeder. 

Vor dem nächsten Tauchgang erinnert mich Lukas noch mal an die richtige Technik beim Abtauchen: zwei, drei Flossenschläge, dann den Oberkörper neunzig Grad abwinkeln, ein Bein nach oben strecken und mit ruhigen Bewegungen ab in die Tiefe. Gegen das mulmige Gefühl, das unten wieder auf mich wartet, kann auch er mir nicht helfen. Immerhin gibt er mir den Tipp: »Ruf dir etwas ins Gedächtnis, bei dem es dir gut geht, zum Beispiel ein Lied oder eine schöne Erinnerung. Ich denke in solchen Situationen immer an das Gitarrensolo von Lenny Kravitz in ›Fly Away‹. Dabei kann ich entspannen.« 

 


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 3/2020

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