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Alle Mann aufs Board

Abenteur Wassersport: Die besten Spots in Deutschland zum Wellenreiten, Kitesurfen und Windsurfen. Lars Jacobsen erzählt von einem perfekten Tag für wind- und wellenbegeisterte mit Profis wie Finn Ole Springborn, Daniel Roesner und Klaas Voget.

TEXT + FOTOS: Lars Jacobsen

Es ist schon spät am Nachmittag, als der Wind noch mal richtig aufdreht. Aus Nordost peitscht er mit Windstärke zehn, von Schweden kommend, über die Ostsee. Es rüttelt ordentlich am alten Toyota Land Cruiser, und die Windschutzscheibe ist inner­halb von Sekunden mit einer feinen, salzigen Schicht überzogen. »Sieht besser aus als gedacht, lass hier raus!« Finn Ole Springborn zeigt immer wieder auf die Wellen, die er für surfbar hält. Genau die richtige Windrichtung, um mannshohe Wellen an den verwaisten Strand von Dazendorf zu schmettern.

Obwohl Hochsommer, liegen die gefühlten Temperaturen selbst im Cockpit des Toyota bei kaum mehr als zehn Grad. Finn stemmt seine Beifahrertür auf, zwängt sich in den vier Millimeter dicken Neoprenanzug, wachst das Board und läuft unter großer Anstrengung gegen den Wind in Richtung Wasserkante. Die Böen drohen ihm immer wieder sein Board aus den Händen zu reißen. Auch die kopfhohen Weißwasserwände, die auf den Strand schlagen, können ihn nicht stoppen. Der Flensburger Surfprofi taucht immer wieder mit seinem Board unter den Wellen durch, bis er im so­ genannten Line­up angekommen ist, da, wo die Wellen noch nicht brechen und wo man auf den perfekten Ritt warten kann. Nach kurzer Orientierung im scheinbaren Chaos der wütenden See paddelt Finn mit ein paar kräftigen Zügen eine Wellenwand an, springt auf sein Board und haut mit zwei kräftigen Turns mächtig Wasser in die Luft. Schnell paddelt er zurück in den Line­up und wiederholt dieses Spiel für die nächsten zwei Stunden. Finn hat das Revier heute für sich. »Viele Surfer verhalten sich wie Lemminge, sie fahren da hin, wo die anderen sind. Dass an anderen Orten bessere Wellen mit weniger Leuten laufen könnten, scheint ihnen egal zu sein«, wundert sich Finn nach seiner Session.

Mit dem Wellenreiten hat der 25­-Jährige vor vierzehn Jahren in Dänemark angefangen. »Das liegt ja quasi um die Ecke von Flens­burg. Somit war mein erster Surf auch meine erste Session in der Nordsee. Mein erster Ostseesurf kam dann erst ein paar Jahre später«, erinnert sich Finn, während er den Reißverschluss seines nassen Neoprenanzugs öffnet und bibbernd in die Sonne blinzelt, die sich gerade zwischen den vorüberziehenden Wolken blicken lässt. Wenig später lehnen Finn und ich an der Motorhaube des Toyotas und schauen raus auf die stürmische Ostsee. Wir trinken heißen Pfeffer­ minztee aus der Thermoskanne und teilen uns einen Haferriegel, der sich wegen des Windes noch schwerer als sonst kauen lässt. Über unsere Köpfe jagen Möwen hinweg, und inzwischen strahlt die Sonne mit Finns Grinsen um die Wette. 

Ich frage Finn, was das Besondere am Wellenreiten in Nord­ und Ostsee ist. »Es geht um das, was man auf sich nimmt, um hier surfen zu gehen«, sagt er und nimmt noch einen Bissen. »Im inter­nationalen Vergleich sind die Wellen eher unterdurchschnittlich. Aber genau deswegen sind sie so besonders. Denn wenn du mal eine gute Session hast, vergisst du die auch nicht so schnell. Und selbst im Sommer, so wie heute, kann man schon mal perfekte Bedingungen vorfinden, wenn man sich ein bisschen auskennt.« 

Angefangen hat die Geschichte des Wellenreitens in Deutsch­land in den 1950er­ Jahren auf Sylt, als die dortigen Rettungsschwimmer ihre ersten Rettungsbretter bekamen. Die waren aller­dings einen halben Zentner schwer und hatten keine Finne. Dennoch starteten die Rettungsschwimmer damit erste Surfversuche am Strand von Westerland. Von einer Reise an die südfranzösische Atlantikküste Anfang der 60er­ Jahre brachten sie schließlich echte Wellenreitboards mit. Sylt gilt seitdem als Geburtsort des Surfens in Deutschland. 
Für BWL­ Student Finn ist Flensburg die perfekte Basis, um schnell an die Spots der Küsten von Schleswig­-Holstein und Däne­mark zu kommen und jedes Sturmtief ausnutzen zu können...

 


Den kompletten Artikel findest Du in der Ausgabe 2/2020

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