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ABENTEUER WALES: 12 REISETIPPS FÜR ENTDECKER

Man könnte die sanften grünen Hügel, die zerklüfteten Klippen und wilden Schluchten an den Küsten von Wales einfach nur genießen, sicher. Aber machen sie nicht als Kulisse für extrem sportliche Abenteuer einfach mehr Sinn?

1 Auf der K(l)ippe

Anglesey, Nord-Wales

»Vorsicht vor den Klippen«, warnten schon die alten Seebären. Doch offenbar gehört beim Coasteering – ­einer walisischen Version des Canyoning – die Liebe zum unkontrollierbaren Adrenalinausstoß dazu. ­Hierbei werden die von Wind und Wellen umrandeten Felsen zum aufregenden Abenteuerspielplatz. Der Mix aus Klettern, Höhlenexkursionen, Klippenspringen und Schwimmen gilt als ultimative Herausforderung für Abenteurer, die sonst schon alles erlebt haben.

Kosten: halber Tag 45 Euro, ein Tag 70 Euro
coasteering-wales.co.uk
celticquestcoasteering.com

 

2 Durch Merlins Zauberwelt brettern

Mountainbike-Trailcenter in allen Landesteilen

Wilde Downhills und knackige Anstiege, entspannte Einsteigerrouten und steile Profi-Parcours, das alles vor wuchernden Farnen, gewaltigen Bäumen im Moosmantel und Holzbrücken über glucksenden Bächen. Die Singletrails in den Trailcentern von Wales führen wie eine Achterbahn durch märchenhafte Landschaften wie aus Merlins Zauberwelt. Die speziell für Mountainbiker angelegten Pfade hier sind ein Traum für ambitionierte Sportler: Die sieben Trailcenter zwischen dem Afan Forest Park nahe Cardiff im Süden und Coed-y-Brenin im Norden ­wurden erst in den letzten Jahren gebaut, dort wo noch vor Kurzem ­ausrangierte Industriebrachen die Landschaft verschandelten. In Blaenau Ffestiniog etwa tauschte Manager Adrian Bradley nach Schließung der weltgrößten ­Schiefermine sein Büro mit dem Bikesattel und leitet heute den Bikepark Antur Stiniog – nur eine von zahllosen, schier unglaublichen Bikegeschichten in Wales. 

Kosten: Trailbenutzung teils kostenlos, teils Tagespass (ca. 12 Euro), Shuttleservice pro Tag ab ca. 35 Euro
mbwales.com

 

3 Burgen und Beaches

Harlech Castle, Tremadog Bay

Ob es König Artus in Wales je gab, ist selbst ­unter Gelehrten ein ewiger Streitfall. Sicher ist, dass ­seine blaublütigen und bauwütigen Kollegen über 600 Burgen hinterlassen haben. Die meisten thronen auf Hügeln nahe dem Meer – so wie Harlech Castle. Zusammen mit Conwy Castle, ­Beaumaris Castle und Caernarfon Castle ist die von König Ed­­­ward I. erbaute Festung Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Empfehlung fürs Dinner im Sternelokal Castle Cottage nebenan: das Lamm in Rotwein-Jus.

Kosten: Fünf-Gänge-Menü etwa 50 Euro, Übernachtung 100 Euro
harlech.com
castlecottageharlech.co.uk

 

4 Die perfekte (Dauer-)Welle

Dolgarrog, Conwy Valley

Die längsten künstlich erzeugten Wellen ­weltweit sind seit 2015 im Surf Snowdonia in Dolgarrog im Norden von Wales zu surfen. Eine 300 Meter ­lange Welle, da wo einst noch ein ehemaliges Aluminiumwerk vor sich hin rottete – ein guter Weg, aus dem Erbe des Industriezeitalters das Beste zu ­machen. Dank Computersteuerung erzeugt im Surf Snowdonia ein schneepflugartiger Schieber Wellen von wahlweise exakt 70, 120 und 200 Zentimeter Höhe, im Abstand von 60 bis 90 Sekunden. Auf die Dauerwelle ist Verlass. Immer. Surf it! 

Kosten: pro Session (55 Minuten) 35 bis 55 Euro
surfsnowdonia.com

 

5 How much is the fish?

Teifi River, Dee River

Wer fröhliche Fliegenfischer erleben will, sollte mal am ­Teifi River oder am Dee River vorbeischauen: Hier sind ­kapitale Lachse mit bis zu zehn Kilo Gewicht keine Seltenheit, auch Seeforellen, Bachforellen und Äschen werden zuhauf aus den Gewässern gezogen. Landschaftlich sind die Flüsse mit ihren verwunschenen Uferlandschaften und Schluchten so anziehend, dass sich ein Ausflug auch lohnt, wenn mal kein Fisch am Haken baumelt. Fischsaison: von Anfang März bis Mitte Oktober. Beste Zeit für Lachse: Spätsommer und Herbst.

Kosten: mit Guide ca. 100 Euro pro Tag 
teifiriverguides.co.uk,
fishingpassport.co.uk/fishing/north-wales

 

6 Wir sind dann mal Weg

Pembrokeshire Coast Path, Solva, Haverfordwest

Der Pembrokeshire Coast Path ist einer der schönsten Fernwanderwege der Welt. Sein Markenzeichen: wilde ­Felsküsten und einsame Strände. Davon gibt’s auf dem 299 ­Kilometer langen Hike entlang der Westküste mehr als genug. Dazu 14 Fischerhäfen und jede Menge Robben. Nicht die einzigen Tiere: Auch das Gekreische von Seevögeln ist allgegenwärtig, Sturm- und Papageientaucher nisten in Kolonien entlang der beeindruckenden Steilufer. Das Auf und Ab der Strecke erfordert Kondition. Wer am Ende noch Energie hat: Der Weg ist Teil des 1400 Kilometer langen Wales Coast Path …

Kosten: Nutzung des Coast Path kostenlos. B&B-­Unterkünfte ab ca. 40 Euro
nationaltrail.co.uk/pembrokeshire-coast-path
walescoastpath.gov.uk

 


 

7 Night of the darks

Dark Sky Reserves in den Brecon Beacons & Co.

Nach einem Tag voller Abenteuer will man am Abend auch mal innehalten und genießen – am besten unter einem ­klaren Sternenhimmel. Als perfekte Locations gelten die Dark Sky Reserves im Brecon Beacons im Südosten. ­Entspannt chillen lässt es sich auch in Südwales, beim Glamping in ­Hirtenhütten oder stilvollen Holzhütten mit Blick auf die Rhossili Bay oder den Strand von Llangennith. Luxus-Jurten für Naturfans gibt’s im Hidden Valley. 

Kosten: Scamper Glamping: ab ca. 110 Euro/2 Personen/Nacht, Jurten (bis zu 7 Personen) 340 Euro/4 Tage
darksky.org/idsp/reserves, scamperholidays.co.uk,
hiddenvalleyyurts.co.uk

 

8 Immer hart am Wind

Über 1200 Kilometer Küste – Wales ist ein Paradies für Segler, Wind- und Kitesurfer

Vor Kurzem machte die Weltelite der Segler beim Volvo Ocean Race in Cardiff Station. Eine gute Gelegenheit, um zu hören, wo die Profis sich am liebsten den Wind um die ­Ohren ­blasen lassen. Die Lieblingsstrände des britischen Surfmeisters Marc Rowley ­beispielsweise sind Porthcawl an der Glamorgan Heritage Coast im Süden, wegen des feinen Pointbreaks und seiner Vielseitigkeit. Sowohl Welle als auch Flachwasser bieten der Rhosneigr Beach bei Anglesey und der Borth Beach nördlich von Aberystwyth. Hier sieht man mit ein bisschen Glück sogar Delfine. 

Kosten: Coaching-Stunde 50 Euro, 5-Tage-Kurs ca. 500 Euro
blastkiteboarding.co.uk

 

9 Hummerrolle vorwärts

Cafe Môr, Freshwater West Beach, Pembrokeshire

Nicht nur für Wanderer auf dem Pembrokeshire Coast Path ein willkommenes Fressen: die Strandbude Cafe Môr am Freshwater West Beach in Pembrokeshire genießt Kultstatus. ­Hauptverantwortlich: Môrs grandiose Hummerrolle. Das Fleisch eines halben Pembroke­shire-Hummers wird in einem leicht getoasteten Brötchen serviert, bestrichen mit walisischer Sea Black Butter (in Butter gekochter, fein gewürzter Tang).

Kosten: 10,50 Euro
beachfood.co.uk

 

10 Drahtseilakte

Penrhyn Quarry, Blaenau Ffestiniog, Betws-y-Coed

Fliegen ohne Fallschirm, gleiten ohne Schirm? Geht in Wales. In der ZIP World können Menschen mit Nerven wie Drahtseile sich genau in eben jene einhängen lassen und über acht ­Kilometer lang  und bis zu 190 km/h schnell durch die walisischen Lüfte schweben. Oder ­sollte man bei dem Tempo eher sagen: düsen? Fakt ist: ZIP World bietet die längsten und ­schnellsten Drahtseilflüge der nördlichen Hemisphäre. Zur Wahl stehen drei Locations: Man kann mit dem Flying Fox durch den Wald bei Betws-y-Coed gleiten oder Speed-Flüge in den ­ehemaligen Schieferminen Penrhyn Quarry und Blaenau Ffestiniog buchen. Dort warten zudem Hochseilgärten und Trampolinanlagen in aufgelassenen Bergwerksschächten unter Tage. Für den ­unwahrscheinlichen Fall, dass in Wales der Nieselregen mal übers Land peitscht …

Kosten: 35 bis 97 Euro
zipworld.co.uk

 

11 Klippen-Camp

Snowdonia Nationalpark Anglesey, North Wales

Für unvergessliche Kletterabenteuer braucht es ­keine Viertausender. Auch in den Bergen des Snowdonia- Nationalparks finden Einsteiger und fortgeschrittene Könner Routen, die sie um den Schlaf bringen. Apropos Schlaf: Selbst eine Nacht in der Felswand ist hier machbar. Wer es sich zutraut, biwakiert wie ein Profi auf  dem Portaledge – nichts für Schlafwandler. 

Kosten: Tageskurs (1 bis 5 Personen) ca. 290 Euro/Gruppe; Cliff-Camping ab 230 Euro/Person
gaiaadventures.co.uk,
snowdoniamountaineering.com

 

12 Lasst den Bear los! 

Survival mit Bear Grylls, North Wales, Snowdonia/Dragon Raiders Activity Park

Survival-Guru Bear Grylls lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen zeitweise auf St. Tudwal’s West, ­einer Insel vor Wales. Wer sich ein paar Überlebens­kniffe vom Meister abschauen möchte, bucht einen der Kurse in seiner Survival Academy. ­Danach ist man noch kein Überlebenskünstler, hat aber eine Menge über sich und die Natur gelernt.

Kosten: Halbtags-Schnupperkurs 62 Euro, 24 Stunden 400 Euro, zwei Tage 680 Euro
beargryllssurvivalacademy.com

 

Das größte Kapital von Wales: die Natur

Die walisische Regierung will die heimische Wirtschaft unterstützen – mit Outdoorsport und Abenteuertourismus

Neuseeland kann schon mal einpacken, wenn es nach den Walisern geht. Das in Sachen Natur prima auf­gestellte Wales möchte nicht mehr fehlen, wenn die ­attraktivsten Outdoorregionen der Welt aufgezählt werden. Das ist erklärtes Regierungsziel.
Nach dem Niedergang der Bergbau- und Stahlindustrie sowie den nachhaltigen Tiefschlägen für die Landwirtschaft durch die Maul- und Klauenseuche um die Jahrtausendwende ist Wales wirtschaftlich die ­schwächste Region in Großbritannien. Das soll sich ändern, und zwar mit dem größten Kapital, über das Wales ­verfügt: seiner eindrucksvollen Natur. Aus diesem Grund ­fördert die walisische Regierung zahlreiche ­Initiativen und Unternehmen rund um Outdoor- und Abenteuer­sport. Dazu gehört die ehemalige Schiefermine von Blaenau Ffestiniog – wo mittlerweile ein Downhill-Bike­park und eine Flying-Fox-Anlage stehen – ebenso wie das ehemalige Aluminiumwerk von Dolgarrog mit der längsten Kunstwelle. Wales ist voller spannender Geschichten rund um originelle Outdoor-Start-ups,
in der Gründerszene herrscht sportliche Aufbruchstimmung. Das Abenteuer mit dem Abenteuer hat
gerade erst begonnen.

Weitere spannende Artikel findest Du in der Ausgabe 3/2018

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FOTOS: Crown Copyright 2017, Visit Wales (7)

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